DSB-Chef Dirk Scheringa
Der gestürzte Selfmade-Banker

Dirk Scheringa wünscht sich den Mai zurück. Da ging es für den Niederländer zwar auch turbulent zu. Eine Pleite seiner DSB Bank war da noch nicht absehbar. Die Diskussionen kreisten stattdessen um den schönsten Nebenjob der Welt: sein Amt als Präsident des frisch gebackenen niederländischen Fußballmeisters AZ Alkmaar.

FRANKFURT. Dessen Trainer Aloysius Paulus Maria von Gaal, genannt Louis, strebte in die Fremde und Scheringa polterte: „Wenn die Bayern zu mir kommen, bekommen sie eine Tasse Kaffee, dann höre ich mir alles an, und am Ende sage ich ihnen, dass van Gaal bei uns bis 2010 einen Vertrag hat.“ Am Ende musste der Chef der holländischen Bank DSB (die Abkürzung steht für Dirk Scheringa Bank) van Gaal zu Bayern München ziehen lassen.

Doch das war nur eine kleine Niederlage und kein Vergleich zur Pleite der DSB Bank, die jetzt besiegelt wurde. Denn mit deren Insolvenz wurde gleichzeitig das Lebenswerk des 59-jährigen zerstört. Lange Zeit galt der Holländer mit den grauen, zurückgekämmten Haaren als einer, der es geschafft hat, als ein Mann des Volkes, der eine unglaubliche Karriere vom Wachtmeister bei der Polizei zum Selfmade-Banker und Sportmäzen hingelegt hatte. Die Schlange seiner Bewunderer war lang. Gepaart war der Erfolg mit einer ordentlichen Portion Selbstbewusstsein. So mäkelte er regelmäßig an seiner Platzierung unter den 500 reichsten Niederländern herum, wie in Anekdoten erzählt wird. Scheringa bestand auf einer Korrektur, darauf, dass er mehr Geld habe und einen besseren Rang verdiene. Übrigens rangierte der Hochgewachsene im vergangenen Jahr mit einem Vermögen von 285 Mio. Euro auf Platz 97.

Scheringa flog lange Zeit praktisch alles zu. Der „Berlusconi der Niederlande“ kaufte sich 1993 praktisch den niederländischen Ehrendivisionär AZ Alkmaar. Angeblich hat er bis heute rund 40 Mio. Euro hineingesteckt. Gleichzeitig fördert er eine Frauen-Radfahrmannschaft und auch noch ein Eisschnelllaufteam. Da ihm das neben dem Aufbau der DSB Bank nicht ausreichte, baute er zusammen mit seiner Frau Baukje Scheringa-de Vries seit 1997 das Scheringa Museum für realistische Kunst auf. Die Geschicke der privaten Kunstsammlung lenkte er von seiner Residenz aus, einem ehemaligen Franziskanerkloster nördlich von Alkmaar.

Doch die schönen Zeiten als der Champagner floss und ein Erfolg sich an den anderen reihte, sind vorbei. Nachdem Kunden der DSB Bank Anfang Oktober innerhalb weniger Tage über eine halbe Milliarde Euro abgehoben hatten, wurde das Institut unter Zwangsverwaltung gestellt. Das war am 12. Oktober. Da glimmte noch ein Funken Hoffnung. Der US-Finanzinvestor Lone Star sollte die Bank mit 400 000 Kontoinhabern und Spareinlagen von rund 3,5 Mrd. Euro kaufen. Doch die Hoffnung war trügerisch. Die Texaner verlangten eine Finanzspritze von 100 Mio. Euro von der Regierung in Den Haag, die diese für das auf Konsumenten- und Baukredite spezialisierte Institut nicht bezahlen wollte. Die Pleite war besiegelt.

Zurück bleibt ein Dirk Scheringa, der sich für den Bankrott bei seinen Angestellten und Kunden entschuldigt, die ihren Arbeitsplatz oder einen Teil ihres Geldes verlieren. Dass er es ehrlich meint, das nimmt man ihm ab.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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