DSW-Studie
Der Aufsichtsrat bleibt männlich

Die Frauenquote in den Aufsichtsräten großer deutscher Unternehmen steigt. Dennoch bleiben weibliche Kontrolleure die deutliche Minderheit – im Dax sind es nur 21 Prozent. Das kollidiert mit den Quotenplänen der EU.
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DüsseldorfIn der deutschen Sprache ist es unüblich die weibliche Form des Wortes „Aufsichtsrat“ zu gebrauchen. „Aufsichtsrätin“ klingt nicht nur ungewohnt, tatsächlich sind Frauen in den Kontrollgremien Deutschlands größter Unternehmen nach wie vor eine Rarität. Dies geht aus der aktuellen Aufsichtsratsstudie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hervor. Lediglich 101 von 488 der Aufsichtsratsmandate der 30 Dax-Unternehmen wurden an Frauen vergeben, das entspricht einer Quote von 21,9 Prozent. Das ist jedoch eine merkliche Steigerung gegenüber den Vorjahren, bleibt aber weit unter den diskutierten Forderungen der EU, die bis 2020 eine Quote von 40 Prozent anvisieren.

In den wichtigsten Ausschüssen sinkt der Anteil an weiblichen Aufsichtsräten gar auf 12,5 Prozent. Und in der Männerdomäne der Kontrolleure gibt es nur eine einzige Aufsichtsratsvorsitzende: Simone Bagel-Trah. Die sieht beim Düsseldorfer Henkel-Konzern nach dem Rechten. Einflussreichste Aufsichtsrätin bleibt Allensbach-Chefin Renate Köcher, die in den Kontrollgremien von Allianz, BMW und Infineon sitzt. Unter allen Aufsichtsräten, weiblich wie männlich, belegt sie dem DSW-Ranking zufolge den 16. Platz. Henkel ist der einzige Dax-Konzern, der die möglich 40-Prozent-Quote erfüllen könnte: 43,8 Prozent der Kontrolleure sind weiblich. Bei der Telekom sind es nur 35 Prozent, es folgen Allianz und Beiersdorf mit je 33,3 Prozent.

Auch im Nebenwerteindex MDax sieht es nicht besser aus. Zwar überspringen hier in GSW Immobilien, Kabel Deutschland und Tag Immobilien gleich drei Unternehmen die sprichwörtliche Hürde, die die EU-Quote mit sich brächte. Doch insgesamt liegt der Frauenanteil in den Aufsichtsräten des MDax nur bei 16,8 Prozent. Auch hier gilt: Tendenz steigend. In die Phalanx der einflussreichsten und bestbezahlten Kontrolleure vermag aber nach wie vor keine Frau einzudringen. An der Spitze thront dort der Studie zufolge Ferdinand Piëch, der 2012 ein Jahressalär von 1,108 Millionen Euro einstreichen konnte – ausschließlich bei Volkswagen. Auf den Plätzen folgen Berthold Huber (Siemens, VW) und Gerhard Cromme (Allianz, Siemens, Thyssen-Krupp), deren Einkünfte auch zusammengenommen nicht an den Verdienst Piëchs herankommen.

Die DSW bezeichnet den Zuwachs des Frauenanteils in deutschen Aufsichtsräten als „winzig“. Immerhin: Auf Seiten der Arbeitnehmervertreter in den Kontrollgremien wird laut Studie mehr getan. Die Quote hier stieg um knapp zwei Prozent auf 26,1 Prozent. Als einzige Dax-Unternehmen verzichten Fresenius und Fresenius Medical Care auf Frauen im Aufsichtsrat. Bei beiden findet sich demnach auch nicht einmal eine grundsätzliche Erklärung zur weiblichen Beteiligung in den Unternehmensleitlinien.

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  • Nirgendwo auf diesem Planeten zeigt Mann sich (mitten im Gefecht) zugleich so einvernehmlich wohlwollend gütig zu einander wie im Konferenzraum einer Werbeagentur.Im Aufsichtsrat von Großunternehmen wird das gleiche Spiel nochmals einen Zusatzdreh erhalten. "By invitation only" ist das Zauberwort, das weibliche Professionals weitestgehend ausschließt. Und warum? Sie könnten real erzielte Performance etwas höher werten als Potenzial-Phantasien aller Art. Nach diesen Kriterien werden nachweislich leistungsstarke Frauen nämlich auch befördert. Wenn überhaupt.

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