Ducati
Piëchs umstrittenes Geburtstagsgeschenk

Der mächtigste Automanager Europas feiert seinen 75. Geburtstag - und will sich mit dem Motorradhersteller Ducati beschenken. Eine wenig rationale Entscheidung, sagen Branchenexperten.
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WolfsburgEine Ducati reicht Autopatriarch Ferdinand Piëch nicht. Zu seinem 75.Geburtstag plant der VW-Aufsichtsrat und Porsche-Erbe gleich die komplette Übernahme des italienischen Motorradherstellers. Das Geschäft der VW -Tochter Audi gilt seit Wochen als offenes Geheimnis, Piëch als Fan der sportlichen Zweiräder aus Italien. Experten fragen sich allerdings: Was will der Oberklasse-Autobauer, der sich anschickt, seinen Lieblingskonkurrenten BMW vom Premiumthron zu stoßen, mit der Edel-Motorradmarke? Viele Fachleute zweifeln an der industriellen und wirtschaftlichen Logik der Übernahme. Doch der VW-Aufsichtsratschef und Strippenzieher Piëch dürfte damit nicht nur seiner Liebe zu starken Marken frönen, sondern auch auf langfristige Ziele setzen.

Mehr als einmal ist Piëch eine Sanierung gelungen, mit der niemand gerechnet hätte. Einer seiner ersten Erfolge war vor 25 Jahren der Umbau von Audi zur Premiummarke des VW-Konzerns. Piech denkt in langen Linien. Das hatte sich schon vor fünf Jahren gezeigt, zum 70. des Österreichers: Das größte und teuerste Geschenk hatte er sich damals ebenfalls selbst gemacht. Piech übernahm wenige Tage vorher via Einstieg seiner Familienfirma Porsche endgültig die Kontrolle bei Volkswagen. Piech wurde damit der mächtigste Mann der europäischen Autoindustrie. Bis heute ist er noch mächtiger geworden. 

Mit Ducati verfolgt er allerdings keine Machtstrategie, schätzt Autoexperte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. „Das ist eher die Marke, eher ein Spielzeug, ein Hobby der Beteiligten, die sich das leisten können und wollen.“ Das Geld - von rund 870 Millionen Euro ist die Rede - könne Audi sinnvoller für andere Projekte ausgeben, etwa für den Aufbau neuer Werke in China oder Amerika. Statt Marken zu sammeln solle man bei VW eher den immer komplexer werdenden Konzern konsolidieren und sich auf die Großbaustellen Porsche und MAN konzentrieren, meint Analyst Arndt Ellinghorst von Credit Suisse. „Der Erwerb von Ducati ist mehr von Leidenschaft für Marken getrieben als von industrieller und finanzieller Logik.“

Ähnlich sieht das Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. „Das ist eine reine Spielwiese für Piëch, eine nicht ernstzunehmende Neuerwerbung.“ Er verweist auf die Kosten nach dem Kauf: Audi müsse das Motorradgeschäft separat aufstellen, sich neue Kunden erschließen und eigene Vertriebsstrukturen schaffen. „Winterkorn und Piech opfern wertvolle Zeit für ein Projekt, dem der wirtschaftliche Sinn schlicht und einfach fehlt.“ Beim Rivalen BMW habe das Motorradgeschäft eine lange Tradition, sei stabil und weitgehend integriert.

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VW hat eine Schwäche für Italien

Kommentare zu " Ducati: Piëchs umstrittenes Geburtstagsgeschenk"

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  • Leidenschaft ist das Zauberwort. Italiener haben sie traditionell und Piech besitzt sie auch. Wenn ich Autofahren begreife als ein Transport von Personen von A nach B (wie die meisten Frauen, SPD-ler, Grüne, grüne Professoren, Landesregierungen mit leeren Kassen und leider auch der alte Ramsauer) dann kann ich auch mit einem Kia oder sonstwas mit 30 lautlos durch die Stadt und mit 100 über die Autobahn preschen. Dann werden wir das Autobauen wohl den fleißigen Chinesen überlassen.
    Porsche, Lamborghini, Bugatti und eben Ducati stehen für eine andere Sicht. Da geht es um Kraft, Drehmoment, Geschwindigkeit, ausgefeilte Technik, satte Motorengeräusche und edle Materialien, sprich Abenteuer und Leidenschaft.
    Genau dieses Image versucht Piech mit einer Normalomarke wie VW zu verbinden. Das ist genial.

  • Leidenschaft ist das Zauberwort. Italiener haben sie traditionell und Piech besitzt sie auch. Wenn ich Autofahren begreife als ein Transport von Personen von A nach B (wie die meisten Frauen, SPD-ler, Grüne, grüne Professoren, Landesregierungen mit leeren Kassen und leider auch der alte Ramsauer) dann kann ich auch mit einem Kia oder sonstwas mit 30 lautlos durch die Stadt und mit 100 über die Autobahn preschen. Dann werden wir das Autobauen wohl den fleißigen Chinesen überlassen.
    Porsche, Lamborghini, Bugatti und eben Ducati stehen für eine andere Sicht. Da geht es um Kraft, Drehmoment, Geschwindigkeit, ausgefeilte Technik, satte Motorengeräusche und edle Materialien, sprich Abenteuer und Leidenschaft.
    Genau dieses Image versucht Piech mit einer Normalomarke wie VW zu verbinden. Das ist genial.

  • Nun ja - wenn dann neben Ducati irgendwo VW draufsteht und der italienische Chic deutschteutonischem Handwerk Platz macht, dann kaufe ich keine Duc mehr. Gibt ja Gott sei Dank noch MV Agusta, Moto Morini etc.!!

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