Düsseldorfer Gespräch „Deutschlands Manager haben ein Imageproblem“

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„Niemand sollte sich verbiegen“

Handelsblatt: An welchen kleinen Dingen scheitern gestandene Topmanager?

Deekeling: Viele tun sich schwer, unfallfrei zu gesellschaftspolitischen Themen Stellung zu beziehen. Das gehört aber heute zur Führungsrolle dazu. Auch da unterstützen wir vor allem inhaltlich.

Stimpel: Deshalb bringen wir als Beratungsunternehmen die jungen deutschen Vorstandsmitglieder im Dax regelmäßig mit Persönlichkeiten aus Medien, Kultur und Politik zusammen: alles Themen, mit denen sie später als Vorstandschef geschickt umgehen müssen.

Handelsblatt: Was raten Sie jungen Leuten, die eine Topkarriere anstreben?

Stimpel: Üben Sie freies Reden! Damit können Sie brillieren. Das Klammern an Power-Point und Manuskripten ist Teufelszeug. Wer kein Redetalent hat, soll ruhig auswendig lernen. Beim Geburtstag des Onkels eine Rede zu halten, übt ungemein.

Christine Stimpel ist seit 2007 Deutschlandchefin der Personalberatung Heidrick & Struggles. Der promovierten Tierärztin eilt der Ruf als „Königsmacherin“ der deutschen Wirtschaft voraus. Quelle:

Christine Stimpel ist seit 2007 Deutschlandchefin der Personalberatung Heidrick & Struggles. Der promovierten Tierärztin eilt der Ruf als „Königsmacherin“ der deutschen Wirtschaft voraus.

Handelsblatt: Die Lebensläufe junger Manager wirken heute wie geklont. Wie können sie sich unverwechselbar machen? Hilft eine markante Brille oder ein skurriles Hobby?

Stimpel: Wir haben mehr als 2000 Lebensläufe analysiert. Besonders erfolgreiche Leute haben in ihrem Leben kontinuierlich Zusatzaufgaben übernommen. Sie fallen durch Engagement auf, nicht durch eine grelle Brille.

Handelsblatt: Das sind Ausnahmetalente. Wie kann es Normalos gelingen, aus der Masse hervorzustechen?

Dopheide: Niemand sollte sich verbiegen. Es geht darum, das Bild zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung möglichst stimmig zu machen. Ich zeige Passanten in der Fußgängerzone Fotos von Managern. Wie wirkt der Mensch auf Sie? Antwort: Die personifizierte Langeweile. Welchen Beruf könnte er haben? Antwort: Sicher ein Vorwerk-Vertreter.

Handelsblatt: Ist das nicht schockierend für einen Manager?

Dopheide: Sicher. Aber Langeweile ist aus Markensicht ein großer Wert. Sie steht für Solidität. Zu solchen Charakteren passt auch keine bunte Brille.

„Berlusconi ist als Marke in sich stimmig.“
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4 Kommentare zu "Düsseldorfer Gespräch: „Deutschlands Manager haben ein Imageproblem“"

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  • Schon mal auf die Idee gekommen, dass manche Leute auch menschliche Eigenschaften haben und nicht nur Arbeitsroboter sind wie Eure deutschen Super-Manager? Ich denke nicht, dass Ihr wirklich etwas versteht.

  • Image? Aber hallo... Warum sollen Manager denn nun gefeiert werden, wenn die Arbeitnehmer nicht mal auf ihr Gehalt einen Inflationsausgleich bekommen oder massenweise Zeitarbeitskräfte eingestellt werden? Selber wirtschaften sie in die eigene Tasche und erzählen den Arbeitnehmern etwas von Konsolidierung und "nötige Schritte". Wer glaubhaft sein will, der muss mit gutem Beispiel voran gehen, ein Unternehmen ehrlich und über Jahre führen. So haben das i.d.R. auch die Familienunternehmer seit Jahrzehnten gemacht. Aber wie will denn ein Manager glaubhaft diese Werte rüber bringen, wenn er doch selbst nur noch eine Halbwertszeit von ein paar Monaten oder Jährchen hat und in der Zeit sich die Taschen mit mehr Geld vollstopft, als ein Mitarbeiter jemals im Leben verdienen wird. Wo ist da die Relation? Wo ist da die Bescheidenheit? Wo ist da das gute Benehmen? Wäre ja noch schöner, wenn die Manager für dieses Verhalten auch noch mit einem guten Image in der Öffentlichkeit belohnt werden würden.

  • Gott sei Dank!

  • Inszenierung beherrschen sie schon recht ausreichend. Was fehlt sind Ihre Leistungen.

    Mehdorn, Schrempp, Zumwinkel, Claussen- Allein diese vier Namen von "Top"-Managern rufen erschütternde Erinnerungen an Fehlleistungen, Rechtsbeugung und übermäßige Entlohnung ohne Leistung ins Gedächtnis.

    Weiter hin sei:
    http://www.amazon.de/Nieten-Nadelstreifen-Deutschlands-Manager-Zwielicht/dp/3426771365
    empfohlen.

    Beim Absahnen sind die Manager da, nur wenns um Verantwortung geht tauchen sie ab.

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