Düsseldorfer Gespräch „Deutschlands Manager haben ein Imageproblem“

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„Persönlichkeit stellt man dar, Kommunikation kann man üben.“

Handelsblatt: Wie sollte ein Manager seinen ersten Auftritt richtig angehen?

Dopheide: Eine persönlich gehaltene Videobotschaft verschicken: Das bin ich, das sind meine Werte, und das ist mir wichtig. Das schafft emotionale Nähe zur Belegschaft – und erleichtert selbst eine unerfreuliche Restrukturierung. Der erste Eindruck ist wie oft im Leben der entscheidende. Das unterschätzen die meisten Manager.

Handelsblatt: Vorstandschefs bleiben immer kürzer an Bord, im Schnitt nur noch sechs Jahre. Leidet eine Unternehmensmarke nicht, wenn sie von wechselnden Managermarken überstrahlt wird?

Dopheide: Es ist viel schädlicher, wenn ein Manager diffus bleibt. Bei einem Charakterkopf wie Hartmut Mehdorn, dem ehemaligen Bahn- und jetzigen Air-Berlin-Chef, weiß jeder, wofür er steht und kann sich darauf einstellen. Deshalb kann er gleich ein viel höheres Tempo vorlegen als ein unbeschriebenes Blatt. Das ist gut fürs Unternehmen.

Mit seiner im Januar gegründeten Agentur „Deutsche Markenarbeit“ berät Frank Dopheide Manager, Sportler und Politiker beim Aufbau der eigenen Marke. Quelle:

Mit seiner im Januar gegründeten Agentur „Deutsche Markenarbeit“ berät Frank Dopheide Manager, Sportler und Politiker beim Aufbau der eigenen Marke.

Handelsblatt: Welche deutschen Vorstandschefs wirken in ihrer Rolle besonders überzeugend?

Stimpel: Peter Löscher, Kasper Rorsted und René Obermann zählen sicher dazu. Sie wirken seriös und modern zugleich. Die echten Könner wissen genau, wann sie in der Außendarstellung Gas geben und wann sie bremsen müssen. Daimler-Chef Dieter Zetsche etwa war in seiner US-Zeit als „Dr. Z.“ mit Cowboyhut bekannt. Was in den USA adäquat ist, hat er voll ausgespielt. Zurück in Deutschland präsentiert sich Zetsche viel moderater. Er passt sich geschickt an die jeweilige Kultur an. Und beides ist authentisch.

Handelsblatt: Kann eine starke Managermarke ein Unternehmen aufwerten?

Dopheide: Mit Sicherheit. Der schillernde Automanager Wolfgang Reitzle hat der trockenen Marke Linde einen gewissen Glanz verliehen.

Stimpel: Das ist möglich. Der Gashersteller Linde gilt heute als deutlich attraktiver und zieht exzellente Leute an. Das war vor Herrn Reitzle viel schwieriger.

Dopheide: Linde ist auch für Frauen als Arbeitgeber viel interessanter geworden. Das liegt zu einem Teil am Faktor von Reitzle.

Handelsblatt: Nicht jeder ist mit Charisma gesegnet. Lässt sich Persönlichkeit antrainieren?

Deekeling: Persönlichkeit stellt man dar. Sie bildet sich über die Jahre. Kommunikation dagegen ist Übungssache. Wenn Vorstände aufsteigen, stehen sie von jetzt auf gleich im Rampenlicht. Von ihnen wird souveränes Auftreten und eine geschliffene Rhetorik erwartet. Den Auftritt auf der großen Bühne müssen viele erst lernen. Dafür coachen wir sie bis ins Detail.

„Niemand sollte sich verbiegen“
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4 Kommentare zu "Düsseldorfer Gespräch: „Deutschlands Manager haben ein Imageproblem“"

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  • Schon mal auf die Idee gekommen, dass manche Leute auch menschliche Eigenschaften haben und nicht nur Arbeitsroboter sind wie Eure deutschen Super-Manager? Ich denke nicht, dass Ihr wirklich etwas versteht.

  • Image? Aber hallo... Warum sollen Manager denn nun gefeiert werden, wenn die Arbeitnehmer nicht mal auf ihr Gehalt einen Inflationsausgleich bekommen oder massenweise Zeitarbeitskräfte eingestellt werden? Selber wirtschaften sie in die eigene Tasche und erzählen den Arbeitnehmern etwas von Konsolidierung und "nötige Schritte". Wer glaubhaft sein will, der muss mit gutem Beispiel voran gehen, ein Unternehmen ehrlich und über Jahre führen. So haben das i.d.R. auch die Familienunternehmer seit Jahrzehnten gemacht. Aber wie will denn ein Manager glaubhaft diese Werte rüber bringen, wenn er doch selbst nur noch eine Halbwertszeit von ein paar Monaten oder Jährchen hat und in der Zeit sich die Taschen mit mehr Geld vollstopft, als ein Mitarbeiter jemals im Leben verdienen wird. Wo ist da die Relation? Wo ist da die Bescheidenheit? Wo ist da das gute Benehmen? Wäre ja noch schöner, wenn die Manager für dieses Verhalten auch noch mit einem guten Image in der Öffentlichkeit belohnt werden würden.

  • Gott sei Dank!

  • Inszenierung beherrschen sie schon recht ausreichend. Was fehlt sind Ihre Leistungen.

    Mehdorn, Schrempp, Zumwinkel, Claussen- Allein diese vier Namen von "Top"-Managern rufen erschütternde Erinnerungen an Fehlleistungen, Rechtsbeugung und übermäßige Entlohnung ohne Leistung ins Gedächtnis.

    Weiter hin sei:
    http://www.amazon.de/Nieten-Nadelstreifen-Deutschlands-Manager-Zwielicht/dp/3426771365
    empfohlen.

    Beim Absahnen sind die Manager da, nur wenns um Verantwortung geht tauchen sie ab.

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