Dupont
Eine Chefin für den Chemieriesen

Beim US-Konzern Dupont gibt Charles Holliday den CEO-Posten an Ellen Kullman ab. Mit dem Führungswechsel endet eine Ära.
  • 0

FRANKFURT. Wechsel an der Spitze von großen Konzernen sind keine Seltenheit. Dass jedoch eine Frau Chief Executive Officer (CEO) wird, dazu noch in einer von Männern dominierten Branche wie der Chemie, ist äußerst ungewöhnlich. Bei Dupont, dem drittgrößten Chemiekonzern in den USA, wird mit Beginn des neuen Jahres in Ellen J. Kullman eine Frau an der Spitze stehen. Die 52-Jährige löst den langjährigen Konzernchef Charles O. Holliday ab.

Für Branchenkenner kam die Berufung Kullmans nicht sonderlich überraschend: In den vergangenen beiden Jahren verantwortete sie bereits vier der fünf Divisionen des Unternehmens. Und Holliday lobte die Arbeit seiner Vorstandskollegin ausdrücklich: "Sie ist in der Lage, das komplizierte und manchmal auch obskure Chemiegeschäft Investoren und Kunden zu erklären", sagte er.

Ellen J. Kullman ist praktisch mit der Chemie groß geworden. Sie wurde in Wilmington geboren - jenem Ort, an dem Dupont vor 206 Jahren gegründet wurde. Sie interessierte sich, wie sie selbst erzählte, von Anfang an für Technik. Ausgestattet mit einem Ingenieurabschluss der Tufts University startete sie zunächst ihre Laufbahn bei General Electric und wechselte 1988 zu Dupont. Ihre Erfolge dort können sich sehen lassen: In den vier Jahren, in denen Kullman die Abteilung "Safety und Protection" leitete, erhöhte sie den Umsatz um 57 Prozent auf 5,5 Milliarden US-Dollar.

Mit der Stabübergabe an Kullman neigt sich eine Ära dem Ende entgegen: Ihr Vorgänger Holliday arbeitete 38 Jahre für das Unternehmen, an dessen Spitze stand er weit länger als alle seine sechs Vorgänger. In seiner Zeit als CEO gestaltete er Duponts Portofolio im Umfang von rund 60 Milliarden US-Dollar durch Aufkäufe und Verkäufe neu. Er trennte sich etwa von den ölbasierten Sparten und konzentrierte sich stärker auf profitablere gentechnische Produkte. Holliday wird künftig weiter den Aufsichtsrat des Unternehmens leiten.

Zuletzt hat Dupont wie die anderen Akteure Syngenta, Monsanto oder Bayer vom Boom mit Pflanzenschutzmitteln profitiert. In Hollidays Ära ist Dupont allerdings auch im weltweiten Ranking von einer Spitzenposition, die es einst zusammen mit dem US-Konkurrenten Dow Chemical hielt, auf den fünften Platz abgerutscht.

Holliday überlässt Kullman ein Unternehmen mit guten Wachstumsaussichten und einer gesunden Bilanz. Sie erwarte ohne Zukäufe einen Umsatzanstieg von rund sechs Milliarden US-Dollar von 2007 bis 2010, sagte die neue Chefin kürzlich vor Investoren. Davon werde die Hälfte auf Schwellenländer entfallen. Bereits in den vergangenen fünf Jahren wuchs das Unternehmen dort mit einer Rate von 16 Prozent.

Kullman äußerte in einem Interview, dass sie selbst nicht wisse, ob es ein Vorteil oder ein Hindernis sei, dass sie die erste Frau an Duponts Spitze werde. Ihr Managementstil sei es, die Wissenschaft mit den Märkten zu verbinden. Dieses Denken habe sie bereits bei General Electric gelernt, wo sie als Marketingmanager in der Medizintechnik arbeitete.

Kommentare zu " Dupont: Eine Chefin für den Chemieriesen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%