Durchatmen im Weinberg
Die Lust der Manager am Wein

Wenn Blackberry-Terror und Terminstress überhandnehmen, brauchen auch Manager ihre Fluchten. Kaum etwas eignet sich so sehr zur Muße wie der Weinbau. Zig Führungskräfte versuchen sich als Winzer. Ein Streifzug durch die Weinberge der Unternehmenslenker.
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BRUSNENGO/DÜSSELDORF/KANZEM. Steil windet sich die kleine Straße nach Norden, rechts die tonfarbenen Spitzdachhäuser, die für den Landstrich nordwestlich Mailands so typisch sind, links Weinhänge. Das Laub hat bereits jene rötliche Färbung, die für die Jahreszeit typisch ist, die Bergkuppen, die sich im Norden aus dem Horizont schälen, überzieht bereits eine weiße Haube.

Stille liegt über dem Dorf, nur aus einigen Weinkellern klingt es nach Arbeit. 2 200 Menschen leben hier in dem norditalienischen Dörfchen Brusnengo.

Eine Idylle aus Wein, Bergen und Einsamkeit. Und in diesen Tagen Heimat für Dieter Heuskel, ehemals Deutschland-Chef und heute Managing Partner der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group. Spätestens im Herbst legt der Top-Manager den Blackberry zur Seite, hängt die Anzüge in den Schrank und entflieht in die norditalienische Pampa. Aus dem Berater wird dann ein Winzer.

Es ist ein erstaunlich bodenständiges Hobby für jemanden, dessen Welt seit Jahrzehnten aus Flughäfen, Vorstandsetagen und Dienstwagen besteht. Aber es steht typisch für die Suche der Wirtschaftsmächtigen nach Ruhe. Der Wein gibt ihnen, was der Alltag ihnen nimmt: Bodenhaftung, Ursprünglichkeit, Muße.

Jedenfalls wird es schick unter Deutschlands Unternehmenslenkern, sich am Göttertrunk zu versuchen. RWE-Boss Jürgen Großmann macht es, Medienunternehmer Hubert Burda, Maschinenbaupräsident Thomas Lindner, Ex-Oppenheim-Chef Hans Maret, Berater Prinz zur Lippe oder Fernsehunternehmer Günther Jauch.

Unternehmenslenker zieht es in den Weinberg

Für die einen ist es der Job fürs Alter, für die anderen Ausgleich vom Alltag, andere wiederum können auch im Weinberg nicht vom Führen lassen und ziehen ihr Weingut gleich als neues Unternehmen auf. In jedem Fall ist der Wein der magische Tropfen für Deutschland Unternehmenslenker.

Dieter Heuskel hat sich schon vor sechs Jahren verzaubern lassen. Drei Hektar Land hat der BCG-Lenker in Nordwestitalien gekauft, Parzelle für Parzelle. Er hat das Land umgegraben und Reben der Piemonteser Traditionssorte Nebbiolo in den Boden gesetzt. Insgesamt 15 000 Reben.

Gemeinsam mit seinem Winzerfreund Peter Dipoli betreibt er jetzt die Renaissance des Weinanbaus in einer Region, die durch Abwanderung in Industriezentren ausgeblutet ist. Anbauflächen sind deshalb zwar billig zu haben. Trotzdem: Bis man sich wirklich Winzer nennen kann, ist schnell eine halbe Million Euro investiert.

Die nächsten 30 Jahre werde er Winzer sein, versichert der 59-jährige Volkswirt. Überhaupt gibt der Berater sich im Weinberg ganz untypisch. Ein Name für den Heuskel-Tropfen? Ein Marketingkonzept? Vertriebswege? All das, was Heuskel seinen Kunden im Berateralltag empfiehlt, hat er für sein kleines Weingut ausgeblendet.

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