EADS-Chef Louis Gallois
„Auf Augenhöhe mit Boeing“

Neben Frankreich wird künftig auch Deutschland Großaktionär bei EADS. Der Chef des Airbus-Mutterkonzerns erklärt im Interview, worin die Probleme der Aktionärsstruktur liegen, die Aktie aber trotzdem super ist.
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MünchenHandelsblatt: Glückwunsch Herr Gallois, Sie verlassen EADS als CEO im Sommer zum bestmöglichen Zeitpunkt. Ihr Nachfolger Tom Enders wird es wohl schwerer haben. Nach Frankreich wird auch Deutschland Großaktionär…

Louis Gallois: ... aber die deutsche Regierung hat ja bereits selber gesagt, dass das nur vorübergehend sein wird. Sie wollen die Aktien nicht lange halten, es gibt unter der gegenwärtigen Anteilseignerstruktur nur keine andere Möglichkeit, die Balance zu wahren. Die gute Nachricht ist, dass sich jetzt viele Leute darüber Gedanken machen, wie die zukünftige Aktienverteilung und die damit verbundenen Rechte bei EADS aussehen sollten.

Was sind denn Ihre Wünsche für die zukünftige Aktionärsstruktur?

Das Hauptproblem sind nicht die Staatsanteile. Es geht um die Sonderrechte der Kernaktionäre Daimler, Lagadère und des französischen Staates, die sich aus dem Aktionärspakt ergeben. Wir haben eine Lösung vorgeschlagen, die die Rechte aller Aktionäre angleicht und gleichzeitig das Unternehmen unter niederländischem Recht gegen feindliche Übernahmen schützt. Das ist ein Projekt für die Zukunft. Wann es umgesetzt wird, kann ich nicht vorhersagen.

Wie groß war der staatliche Einfluss in Ihrer Amtszeit? Zuletzt hat Staatssekretär Peter Hintze per Brief mehr deutschen Einfluss gefordert.

Es gab immer wieder Versuche, aber wir haben uns dagegen verwehrt. Das gilt auch für meine Stabsübergabe an Tom Enders und die Neubesetzung der Führungsmannschaft, die wir nach unseren Vorstellungen und ohne Verzögerungen umgesetzt haben. Die Entscheidungen wurden vom Verwaltungsrat getroffen, und die unabhängigen Mitglieder haben sehr genau auf diesen Punkt geachtet!

Ist EADS wirklich ein europäisches Unternehmen? Oder ist es ein Spielball nationaler Interessen?

Intern sind wir ein echt europäisches Unternehmen. Und wir sind erfolgreich: Seit unserer Gründung im Jahr 2000 haben wir den Umsatz verdoppelt. Wir schaffen Jobs in Europa. EADS ist auf Augenhöhe mit Boeing. Von einer externen Perspektive aus versucht natürlich jedes Land, so viel wie möglich aus seinen Investitionen in Forschung- und Exportförderung oder auch aus seinen Aufträgen zu ziehen. Das ist bei allen Unternehmen überall auf der Welt in unserer Branche so. Aber ich kann Ihnen versichern: Intern konzentrieren wir uns voll auf das Geschäft. „Back to Business“: Das war meine Devise, als ich 2007 angetreten bin – und ich bin stolz darauf, dass wir das erreicht haben.

Dennoch: Ihre privaten Gründungsaktionäre Daimler und Lagardère sind auf dem Rückzug, der Staatsanteil wächst. Ist EADS nicht attraktiv genug für privates Kapital?

Unsere Gründungsaktionäre haben begrenzte industrielle Synergien mit unserem Geschäft und sind eben auch keine Finanzinvestoren. Wir sind aber sehr attraktiv für privates Kapital: Die Mehrheit der großen Investmenthäuser haben Kaufempfehlungen für uns ausgesprochen. Und wir liefern: Seit Anfang 2011 ist unser Aktienkurs um 50 Prozent gestiegen! Damit waren wir der beste Wert im französischen CAC 40 und der zweitbeste im deutschen M-Dax.

China hat einen Großauftrag über 45 Maschinen auf Eis gelegt als Protest gegen die Klimaabgabe, die bei Flügen in die EU fällig wird.

Am Ende muss das die Europäische Kommission lösen. Bereits 27 Länder haben sich bei der EU beschwert. Europa ist in dieser Frage vollkommen isoliert, und es wäre weise, einen weltweit gültigen Kompromiss zu finden. Ich glaube, dass diese Art von regionaler Regulierung nicht funktionieren wird: Wir sind nicht alleine auf der Welt! Und die Fluggesellschaften schlagen sich mit einem rasant steigenden Ölpreis herum, der sie stärker als jedweder Klimahandel zu mehr Effizienz zwingt. 80 bis 85 Prozent unserer Forschungsausgaben stecken wir schon jetzt in Techniken, die Energie beim Fliegen einsparen werden.

Kommentare zu " EADS-Chef Louis Gallois: „Auf Augenhöhe mit Boeing“"

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  • Die Chinesen haben recht, den Auftrag über 45 Maschinen auf Eis zu legen. Diese Klimaabgaben sind der pure Wahnsin, unnötig und finanzieren nur die Gruppen die an der Klimalüge verdienen.

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