EADS-Doppelspitze
Der Offizier und der Mönch

Vergangenen Sommer traten Thomas Enders und Louis Gallois gemeinsam an die Spitze des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. Seither bemüht sich das Duo die Wunden der Vergangenheit zu heilen. Einschneidende Sanierungspläne sind unausweichlich und die Rollen, die Enders und Gallois dabei spielen, klar verteilt.

PARIS / MÜNCHEN. Es ist einer der heißesten Tage Englands. In dem großen Zelt sitzen zwei Herren auf dem Podium, schwitzen und lächeln. Thomas Enders und Louis Gallois machen auf der Luftfahrtmesse in Farnborough im vergangenen Sommer in Harmonie. Die neue, gleichberechtigte Doppelspitze des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS zeigt sich erstmals öffentlich.

Gallois ist damals erst ein paar Tage im Amt und hält sich zurück. Enders hatte sich in einem monatelangen Kampf gegen Noël Forgeard durchgesetzt, der die Alleinherrschaft wollte und letztlich an dubiosen Aktiengeschäften scheiterte.

Seither bemühen sich Gallois und Enders, die Wunden der Vergangenheit beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern zu heilen. „Die Kommunikation läuft besser als mit dem Vorgänger Forgeard“, heißt es bei der EADS.

Doch die Harmonie von Farnborough muss sich schnell unter großen Belastungsproben bewähren. Schon wenige Monate später muss die EADS einräumen, dass die Probleme beim Riesenairbus A380 größer sind als erwartet. Ein Milliardenverlust droht. Eine Sanierung wird unausweichlich. Die industriellen Aktionäre, Daimler-Chrysler und Lagardère, bestehen auf einer Rosskur. Die französische Regierung und später auch die deutsche wollen einen Kahlschlag in ihren Ländern verhindern. Unter hohem Druck hat Gallois den Sanierungsplan ausgearbeitet. Das deutsche Management um Enders lehnt den ersten Entwurf ab. Am heutigen Mittwoch wird Airbus-Chef Gallois den Plan in Toulouse präsentieren. Es wird wohl einer der heißesten Februartage in der Geschichte Frankreichs. Airbus wird Werke verkaufen und Stellen streichen. „Es wird einen Aufschrei geben“, ahnt Enders im Vorfeld. Gallois spricht lieber von „fairer Lastenverteilung“.

So ist die Rollenverteilung: Enders ist der Offizier, Gallois der Diplomat. Beide haben in den vergangenen Wochen ihre Rollen voll ausgefüllt. Da ist auf der einen Seite der 63-jährige Franzose Louis Gallois: Er gilt als Meister des Taktierens, ein Menschenfänger mit langer Ministerialerfahrung. „Er ist ein Mönch, kein Manager“, sagen französische Industrielle über ihn.

Ihm steht der 48-jährige Deutsche Thomas Enders gegenüber: ein durchtrainierter Ex-Major der Reserve, „Major Tom“ genannt, zielstrebig mit langer Konzernerfahrung. Enders spricht besser Englisch als Französisch – das ist auch eine Mentalitätsfrage. Ein ungleiches Paar. Im Konzern wird denn auch erzählt, die größte Strafe für Gallois seien die Verhandlungen mit Enders. Der Fallschirmspringer ist physisch stark und unerbittlich, wenn es um deutsche Interessen geht. Wer mit Enders an einem Tisch sitzt, spürt immer eine gewisse Unruhe. Der Mann kann sich mit Gleichgewichtszuständen nicht abfinden. Seine Analyse ist präzise, seine Entscheidungen sind schnell.

Das schätzt sein Auftraggeber, der EADS-Großaktionär Daimler-Chrysler. Es gibt nicht wenige Daimler-Manager, die das Abenteuer EADS lieber heute als morgen beenden würden.

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