EADS
Schnelldenker statt Verkäufer

Marwan Lahoud wird Strategie-Vorstand des EADS-Konzerns. Sein Vorgänger Jean-Paul Gut geht im Streit – nachdem er noch vor vier Wochen behauptete, er wolle das Unternehmen nicht verlassen.

PARIS. Fast schon gelangweilt dreht sich Jean-Paul Gut, Strategievorstand der EADS, in seinem schwarzen Ledersessel auf dem Podium. Nein, er habe keine Absicht, das Unternehmen zu verlassen, versichert er treuherzig einem Kleinaktionär auf der Hauptversammlung des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns. Das ist am 4. Mai in Amsterdam.

Gut vier Wochen später sieht die Welt anders aus. Auf einmal kündigt er sogar selbst in einem Zeitungsinterview an, dass er EADS verlassen wird. „Nach mehreren Monaten Diskussion sind wir nicht zu einer Einigung darüber gekommen, wie die Funktionen Marketing, Strategie und Verkauf integriert werden können, was ich für notwendig halte, um effizienter zu werden“, begründet Gut seinen Abgang.

Im Klartext: Gut wollte die Verkaufsteams von EADS-Töchtern wie Airbus und Eurocopter unter seine Kontrolle bringen. Davon wollten aber die EADS-Chefs Louis Gallois und Tom Enders nichts wissen. Stunden nach Erscheinen des Interviews schiebt EADS die offizielle Pressemeldung nach.

Über Guts baldigen Abgang ist seit Monaten spekuliert worden – und über die Abfindung, die er bei dieser Gelegenheit einstreichen würde. Zwölf Millionen, hieß es in der französischen Presse. Laut EADS sind es nur zwei Jahresgehälter. Gut selbst wird genauer: „Das entspricht 2,8 Millionen Euro.“

Jean-Paul Gut habe zum einen die deutsch-französische Lähmung im Unternehmen zunehmend genervt, heißt es in Paris. Zum anderen gelten Gut und der französische EADS-Chef Louis Gallois als grundverschiedene Persönlichkeiten: „Gut ist ein Mann der Wirtschaft, der Wert auf ordentliche Bezahlung legt und gerne große Autos fährt“, sagt ein Insider. Gallois sei dagegen ein Mann der öffentlichen Verwaltung, „dem Statussymbole ein Graus sind“. Guts Abgang wird in Frankreich eher als eine Schwächung des französischen Großaktionärs Arnaud Lagardère interpretiert und weniger als eine Schwächung von EADS. „Gut war wie ein Bruder Lagardères. Er besaß zu 100 Prozent sein Vertrauen“, sagt ein Lagardère-Vertrauter.

Zwar gilt der scheidende Strategiechef als Verkaufskanone: Gut agierte zum Beispiel als eine der Schlüsselfiguren hinter dem Mega-Auftrag von Qatar Airways. Die Fluglinie des Wüstenemirats hat vergangene Woche für 16 Milliarden Dollar Katalogwert 80 Maschinen des neuen Langstreckenflugzeugs A350 XWB geordert.

Doch mit dem 41-jährigen Marwan Lahoud, derzeitiger Chef des Raketenherstellers MBDA, hat EADS einen jungen Nachwuchsmanager zu Guts Nachfolger gemacht, dem Beobachter der Rüstungsbranche noch einiges zutrauen. Lahoud zählt wie Fabrice Brégier, derzeit die Nummer zwei bei Airbus, zu den Hotshots des Konzerns. Mit nur 36 Jahren übernimmt der gebürtige Libanese Anfang 2003 die Führung der MBDA, die zu 37,5 Prozent der EADS, zu 37,5 Prozent der britischen BAE Systems und zu 25 Prozent der italienischen Finmeccanica gehört, und legt los: Er verdoppelt fast den Umsatz und überholt Marktführer Raytheon. Die Betriebsmarge hat sich von 1,4 Prozent auf knapp acht Prozent mehr als verfünffacht.

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