Easyjet
Ein Sir, der nicht loslassen kann

Der streitbare Großaktionär Stelios Haji-Ioannou, der 38 Prozent an der Billigfluglinie Easyjet hält, macht sich wieder einmal bemerkbar - zum Ärger von Chefin Carolyn McCall. Er fordert, dass Management müsse die Flotte einfrieren und den Kauf neuer Flugzeuge verlangsamen.
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FRANKFURT. Die Freude währte kurz: In der vergangenen Woche konnte Carolyn McCall, Chefin der britischen Billigfluggesellschaft Easyjet, das Ende des Streits mit Firmengründer Stelios Haji-Ioannou um den Firmennamen verkünden. Doch nun diktiert ihr der streitbare Großaktionär schon wieder die Strategie. Das Management müsse die Flotte einfrieren und den Kauf neuer Flugzeuge verlangsamen, forderte er in einem Interview.

Easyjet bewege sich in einem reifen Markt, begründete der 43-Jährige, der die Airline 1995 gegründet und zuletzt mehrere Chefs verschlissen hatte, seine Mahnungen. „Glaube ich, dass es Spielraum gibt, um Ziele für 50 Prozent mehr Flugzeuge zu finden? Wahrscheinlich nicht“, sagte Stelios. Easyjet betreibt derzeit rund 200 Flugzeuge, plant aber eine Aufstockung auf gut 300 Maschinen.

Stelios will am liebsten mit seinem Vornamen angesprochen werden. Eigentlich müsste sogar ein Sir davor, denn 2006 wurde er von der Queen zum Ritter geschlagen. Der 43-Jährige ist der Sohn einer wohlhabenen zyprischen Reederei-Familie. Sie hält 38 Prozent an Easyjet. Mit gerade einmal 25 Jahren hatte sich Stelios von seinem Vater auszahlen lassen und die Reederei Stelmar gegründet. Seit dem Erfolg mit Easyjet versucht er, das Konzept „einfach“ auf andere Bereiche zu übertragen, seien es Hotels, Autos oder Reedereien.

Auch wenn Stelios so manchen bei Easyjet nerven mag, allein steht er mit seiner Wachstumsskepsis nicht. Auch der nicht minder wortgewaltige Erzfeind Michael O’Leary von Ryanair hadert mächtig mit seiner Strategie für die kommenden Jahre. Mal sollen die Tickets teurer werden, mal der Service besser, dann wieder werden neue Zusatzgebühren erfunden.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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