Ebay
Ein harter Job für Donahoe

Viel Zeit verliert John Donahoe nicht. Nur eine Stunde nach seiner Ernennung zum neuen Ebay -Chef am Mittwoch verkündet er auf einer Telefonkonferenz mit Analysten eine drastische Strategieänderung: Künftig soll das Hauptaugenmerk nicht mehr den Auktionen gelten, sondern dem Verkauf von Waren zu festgelegten Preisen.

DÜSSELDORF. Typisch Donahoe: "Ich bin ein großer Fan davon, Festgefahrenes aufzubrechen", sagte er einmal. Und festgefahren scheint so manches bei Ebay: Seine Vorgängerin Meg Whitman machte das Online-Auktionshaus zwar groß, leistete sich dann aber ein paar Patzer wie den überteuerten Kauf des Online-Telefonie-Anbieters Skype (Handelsblatt vom 23. Januar).

Seit 2005 arbeitet der 47-Jährige bei Ebay. Vorher war er weltweiter Geschäftsführer von Bain, der Unternehmensberatung, bei der Whitman in den 80ern seine Chefin war. Bei Ebay war er für den wichtigsten Geschäftsbereich zuständig: die Marktplätze. Sie machen 70 Prozent des Umsatzes von 7,67 Milliarden Dollar aus. Seine Bilanz: ein Umsatzplus von 26 Prozent, seit er den Posten übernahm.

Schon bei seiner Einstellung machte Whitman ihm klar, dass sie ihn als möglichen Nachfolger positionieren wolle. Eine schwierige Situation: Denn zu der Zeit galt Jeff Jordan, Chef der Ebay-Tochter Paypal, als Kronprinz - er ist ein guter Freund Donahoes. So besprach sich Donahoe erst mit Jordan, bevor er den Job angenommen hat. "Ein besonderes Zeichen der Freundschaft", sagte Jordan dem "Wall Street Journal". Er hat Ebay ein Jahr nach Donahoes Wechsel verlassen und ist heute Chef des Restaurant-Reservierungssystems Opentable.

Als freundlich und zugänglich beschreiben Kollegen den 1,95 Meter langen Donahoe: "Er hat die unheimliche Fähigkeit, sich mit jedem zu verstehen, vom Pförtner bis zum Vorstandsvorsitzenden", sagte Ebay-Direktor Thomas Tierney der "New York Times". Gleichzeitig ist der vierfache Vater ein harter Arbeiter: Sein Tag beginnt nach Informationen der Zeitung morgens um 4.30 Uhr, um sieben treffe man ihn schon im Fitness-Studio des Arbeitgebers, 70-Stunden-Wochen seien Normalität.

Nach außen ist der Ex-Basketballspieler in seiner Zeit bei Ebay kaum in Erscheinung getreten. Tim Boyd von American Technology Research ist aber optimistisch, dass Donahoe Ebay voranbringt: "Sie haben einen neuen Chef und wollen das ändern, wovon jeder weiß, dass sie es ändern müssen."

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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