Eberhard Scheffler als Chef ernannt
Neue Bilanzprüfstelle nimmt Gestalt an

Der langjährige Finanzchef der Batig-Holding, Eberhard Scheffler, wird der erste Präsident der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung. Nach dieser Entscheidung kann die Prüfstelle zum ersten Juli 2005 ihre Arbeit aufnehmen. Sie soll künftig Abschlüsse von 1400 börsennotierten Unternehmen auf Verdacht oder stichprobenartig unter die Lupe nehmen. Vizepräsident wird Axel Berger, der bis März 2004 Vorstandsmitglied der Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG war.

HB BERLIN. Berger und sein 70-jähriger Chef, der viele Jahre an der Uni Hamburg lehrte, müssen jetzt ihre Pflöcke einschlagen. Denn von ihrer Amtsführung wird es abhängen, ob der Anlegerschutz in Deutschland tatsächlich gestärkt wird - das beabsichtigt die Bundesregierung.

Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung ist zentraler Bestandteil des Bilanzkontrollgesetzes, das im Dezember 2004 in Kraft trat. Die auch als "Bilanzpolizei" bezeichnete Organisation ist ein privatrechtliches Gremium. Sie prüft Jahresabschlüsse darauf, ob die Rechnungslegungsvorschriften eingehalten wurden - bezahlt durch Umlagen der Unternehmen, die kontrolliert werden sollen. Kooperieren diese bei der Untersuchung nicht, so kann die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einschreiten. Sie kann die Unternehmen notfalls zwingen, Fehler zu veröffentlichen.

Mit dem Gesetz hat die Bundesregierung auf Unternehmensskandale reagiert, die das Anlegervertrauen erschüttert haben. Auch andere EU-Staaten haben zusätzliche Überwachungsinstanzen für börsennotierte Unternehmen geschaffen.

Gestern erkannte die Bundesregierung die Prüfstelle in einem Vertrag formal an, nachdem sie alle Fragen der Satzung und der Leitungsfunktionen geklärt hatte. "Die Anerkennung stellt einen Meilenstein dar", sagte SAP-Finanzvorstand Werner Brandt. Er ist Vorstandsvorsitzender der Prüfstelle - die operative Führung liegt aber beim Präsidenten Scheffler.

Die Suche nach einem geeigneten Präsidenten stellte sich als schwierig heraus. Die Person sollte in jeder Hinsicht unabhängig sein - Aufsichtsratsposten in börsennotierten Unternehmen hätten sich damit schlecht vertragen. Außerdem musste der Kandidat fachlich qualifiziert sein: "Der Präsident muss dem Finanzvorstand der Deutschen Bank im Bedarfsfall erklären können, warum sie falsch bilanziert", umschrieb ein mit der Materie vertrauter Experte das Anforderungsprofil. Zusätzlich sollte der Prüfstellen-Chef ein enges Verhältnis zu anderen internationalen Enforcement-Einrichtungen aufbauen können.

Bis zu 15 feste Mitarbeiter soll die Prüfstelle einmal haben. Bei Bedarf können weitere Experten hinzugezogen werden.

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