Eberhard von Brauchitsch: Eine unsterbliche Flick-Affäre

Eberhard von Brauchitsch
Eine unsterbliche Flick-Affäre

Der Manager Eberhard von Brauchitsch war die Schlüsselfigur der Flick-Affäre. Fortan galt er als die Symbolfigur der käuflichen Bonner Republik. Seit einiger Zeit schon war es still um ihn geworden - bis zu seinem freiwilligen Abschied.
  • 0

DÜSSELDORF. Sein Name klingt wie die Erinnerung aus einer fernen Vergangenheit, fast aus einer anderen Welt: Eberhard von Brauchitsch.

Eberhard von Brauchitsch?
Ja, richtig - der Manager aus der Flick-Affäre. Schon hangeln sich die Gedanken weiter: Parteispenden, Otto Graf Lambsdorff, Franz Josef Strauß, Schmiergelder auch an andere Politiker...

All das ist lange her. Und doch ist der Name Eberhard von Brauchitsch im kollektiven Gedächtnis der Republik unauslöschbar mit der Flick-Affäre verbunden.

Im Zuge dieser Affäre hat Brauchitsch 1982 den Flick-Konzern verlassen - und den wohl jähsten Absturz erlebt, den bis dato ein Manager im Nachkriegsdeutschland durchleben musste. Das Datum muss für ihn wie ein Scheitelpunkt gewesen sein, der sein Leben in ein Vorher und ein Nachher teilt.

Vorher, das war der glorreiche Aufstieg eines großen, kantigen Jugendlichen, der von einem schlesischen Adelsgeschlecht abstammte und der über die Schule mit Friedrich Karl Flick befreundet war, dem Spross einer der einflussreichsten deutschen Industriellenfamilien.

Ein Schulfreund Flicks

Nach dem Krieg studierte er Jura - und begann seine Karriere bei der Lufthansa, wo er die Charter-Tochter Condor gründete. Anfang der 60er-Jahre holte Flick seinen Schulfreund in das Familienimperium, den Flick-Konzern, dem er - mit Ausnahme eines kurzen Zwischenspiels beim Springer-Verlag - bis zu seinem Absturz treu blieb.

Im Jahr 1981 wurde Brauchitsch zum Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie ernannt. Brauchitsch war nun ganz oben, doch im November des gleichen Jahres stieß der Steuerfahnder Klaus Förster auf Listen des früheren Flick-Buchhalters Rudolf Diehl. Die Geldtransfers trugen sonderbare Kürzel - etwa "FKF wg FJS". Entschlüsselt hieß das: Friedrich Karl Flick wegen Franz Josef Strauß. Auf 925 000 Mark addierten sich die Zahlungen allein für den CSU-Politiker.

Das viele Geld und die Macht sind Brauchitsch zu Kopf gestiegen: "Er hat Politiker wie seine Angestellten behandelt", sagt ein Weggefährte von damals, "er trat wie ein preußischer Junker auf, grob und von oben herab". Ein anderer Ex-Vertrauter sagt: "Damals sahen sich die Industriekapitäne als die wirklichen Herren an. Brauchitsch war nur der Extremste." Wenige Monate nach dem Auftauchen der Listen musste er den Konzern verlassen.

Seite 1:

Eine unsterbliche Flick-Affäre

Seite 2:

Kommentare zu " Eberhard von Brauchitsch: Eine unsterbliche Flick-Affäre"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%