EBS-Chef Jahn
Der tiefe Fall des Moralapostels

Er war einer der wichtigsten Verfechter eines Eids für Manager, der Gier abzuschwören. Nun musste Christopher Jahns, der Präsident der European Business School, ausgerechnet wegen einer Untreue-Affäre zurücktreten.
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Wiesbaden Am Montag wurde Jahns, gegen den die Staatsanwaltschaft Wiesbaden seit Wochen wegen Untreue ermittelt, verhaftet, Büros der European Business School durchsucht. Auch Jahns Privatwohnung war ein Ziel. Der Grund: Jahns soll Zeugen massiv eingeschüchtert haben, daher sah die Staatsanwaltschaft Verdunklungsgefahr.

Dem bisherigen EBS-Chef wird vorgeworfen, "Scheinrechungen" an sich selbst ausgestellt zu haben, sagt der zuständige Wiesbadener Staatsanwalts Hartmut Ferse. Der 41-Jährige Jahns ist nicht nur der schillernde Chef der 1971 gegründeten privaten Wirtschaftshochschule EBS, er hat auch etliche Funktionen in Beratungsfirmen der BrainNet-Gruppe. In Funktionen für BrainNet soll er laut Staatsanwaltschaft Rechnungen über "mindestens 180.000 Euro" an sich selbst oder seine Firmen ausgestellt haben. Bezahlt wurden die vom Hochschulchef Jahns. Er soll also Hochschulgelder - und damit öffentliche Gelder - in seine privaten Firmen geschleust haben.

Laut Aussage Ferses beantragte die Staatsanwaltschaft den Haftbefehl, weil Jahns Zeugen auf Hochhochschulseite eingeschüchtert habe. Daher habe Verdunklungsgefahr bestanden. Jahns durfte das Gericht nach einem Termin beim Haftrichter gestern zwar wieder verlassen. Aber der Haftbefehl bestehe weiterhin, betont Ferse, er wurde lediglich mit Auflagen ausgesetzt: Jahns ist es verboten, Kontakt zu den Zeugen aufzunehmen, er muss ich zweimal wöchentlich bei der Polizei in Frankfurt melden und sämtliche Ämter an der Hochschule und bei den Beratungsfirmen ruhen lassen.

Wegen der massiven Vorwürfe hatte Jahns Mitte März seine Ämter an der EBS ruhen lassen. Mit seinem Rücktritt ist er vermutlich einer Abwahl zuvorgekommen. Der Senat der EBS, in dem 16 Professoren, Dozenten und Mitarbeiter vertreten sind, kommt am heutigen Dienstag um 18 Uhr zu einer planmäßigen Sitzung zusammen. Einer der Punkte auf der Tagesordnung: Ein Antrag von EBS-Professoren, Jahns als Präsident der Hochschule abzuwählen.

Jahns lässt sein Amt als CEO und Lehrstuhlinhaber weiterhin ruhen, zurückgetreten ist er von diesen Funktionen bisher aber nicht. Als CEO der European Business School müsste ihm der Aufsichtsrat das Vertrauen entziehen. Der hatte sich bisher aber stets hinter Jahns gestellt.

Staatsanwalt Ferse sagte dem Handelsblatt, man könnte schon jetzt Anklage gegen Jahns erheben. Die Staatsanwaltschaft wolle aber noch weitere Unterlagen auswerten, die am Montag bei den Durchsuchungen mitgenommen wurden. Das könnte sich noch Wochen hinziehen. Und die Anklageschrift am Ende wesentlich umfangreicher sein als sie es heute wäre.

Das Pikante an der Affäre: Jahns gilt als einer der profiliertesten Verfechter eines Eids für Manager, in dem der Nachwuchs der Gier abschwören und sich zur Moral in der Wirtschaft bekennen soll. Er selbst hat sich stets des Bildes vom "ehrbaren Kaufmann" bedient.

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