Eckhard Panka
Daimler: Das Ende der Finca-Affäre

Eckhard Panka, ehemaliger Vertriebschef von Daimler, akzeptiert eine Geldstrafe wegen Untreue. Sie fällt milder aus, weil der frühere Manager Einspruch einlegte und nun einen Schlussstrich ziehen wollte.

STUTTGART. Es ist der Stoff, aus dem Skandale sind: Ein Manager lässt sein Privathaus auf Firmenkosten ausbauen und obendrein noch die Finca auf Mallorca für die Freundin. Andere schanzen einem Graumarkthändler für Gegenleistungen Aufträge zu. Beim Autokonzern Daimler verwischten in der Vergangenheit schon mal die Grenzen zwischen dem Leben in der Firma und im Privaten. Vor allem wurden für private Zwecke erstellte Bauleistungen bis Mitte der 90er-Jahre nicht immer sauber abgerechnet. Bei Daimler ist man froh, dass ein Schlussstrich unter die „Unregelmäßigkeiten im Vertrieb“, wie es im Konzern heißt, gezogen wird. Gestern kam der vorläufige Schlusspunkt unter die Finca-Affäre: Der ehemalige deutsche Vertriebschef Eckhard Panka wurde vom Amtsgericht Stuttgart wegen Untreue zu 36 000 Euro Geldstrafe verurteilt. Gegen einen früheren Strafbefehl in Höhe von 128 000 Euro hatte der Ex-Manager Einspruch eingelegt.

Panka war nicht anwesend und ließ von seinem Verteidiger erklären, er erkenne die Vorwürfe gegen ihn an. Dem Konzern war durch die unzulässige private Inanspruchnahme von Firmenmitarbeitern an mehr als 60 Arbeitstagen und dadurch entstandene Reisekosten ein Schaden von 46 000 Euro entstanden.

Der inzwischen 65-Jährige hatte Mitarbeiter der Bauabteilung des damaligen Daimler-Chrysler-Konzerns 2001 für den Umbau seines Privathauses in München eingesetzt sowie von 2003 bis 2004 in der Finca der Freundin auf Mallorca. Die Kosten dafür hatte Panka über den Umbau einer Münchener Filiale der Luxusmarke Maybach abgerechnet. Ende 2004 wurde er in den Ruhestand versetzt. Danach erstattete Panka seinem früheren Arbeitgeber die Kosten für den illegalen Einsatz der Bauabteilung.

Von der jetzt verhängten Geldstrafe werden 8 000 Euro erlassen, weil sich das Verfahren über vier Jahre hinzog. Durch die öffentliche Berichterstattung habe es einen „hohen Leidensdruck“ auf Panka und seine Familie gegeben, räumte der Richter ein. Auch der Verteidiger sagte, das Verfahren sei eine „Hypothek“ gewesen und sein Mandant wolle nun einen „Schlussstrich“ ziehen. Anfang Februar war bereits ein Ex-Bauleiter des Autokonzerns wegen Untreue zu einer Geldstrafe von 6 750 Euro verurteilt worden. Er war von Panka mit Arbeiten beauftragt worden und etliche Mal nach Mallorca geflogen.

Der einflussreiche Ex-Vertriebschef war der prominenteste einer ganzen Reihe von Untreue-Fällen, die 2005 beim Stuttgarter Autobauer bekanntwurden. Vor dem Amtsgericht ist das Verfahren gegen Panka nach Angaben der Stuttgarter Staatsanwaltschaft das vorerst letzte im ganzen Komplex. Ein Verfahren liege allerdings noch beim Landgericht. Zeitweise wurde gegen knapp 20 Beschuldigte wegen des Verdachts der Untreue oder Bestechlichkeit ermittelt. Keiner der Beschuldigten ist heute noch im Konzern, wie eine Sprecherin bestätigt.

Daimler hat seine Compliance-Regeln seither massiv verstärkt.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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