Eckhard Spoerr/Ralph Dommermuth
Kampf der Alphatiere

Ralph Dommermuth und Eckhard Spoerr ringen seit Monaten miteinander. Jetzt hat Freenet-Chef Spoerr einen Punktsieg erreicht: Er darf den Rivalen Debitel übernehmen. Doch Dommermuth gibt noch lange nicht auf. Auf der nächsten Hauptversammlung könnte es zum Showdown kommen.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Das Wetter in Hamburg ist trüb und kalt an jenem Donnerstag Anfang April. Es passt zur Stimmung zwischen den beiden Herren, die sich in der Hansestadt verabredet haben. Freundlich, aber distanziert geht es zu. Schließlich ist die Sache sensibel. Der Internetanbieter United Internet (UI) möchte den Rivalen Freenet kaufen. Es ist der zweite Anlauf. Doch die Braut sträubt sich. Sie will unbedingt mit dem Rivalen Debitel den Hafen der Ehe ansteuern.

Die beiden Kontrahenten, die da am Tisch sitzen, geben sich in ihrer Härte und Unnachgiebigkeit nichts. Der eine, der Mann mit der markanten schwarzen Brille, Freenet-Chef Eckhard Spoerr, schubste einst Mobilcom-Chef Thorsten Grenz vom Thron, um sich selbst genau auf eben jenen zu setzen. Der andere, UI-Chef Ralph Dommermuth, ist ein Selfmade-Milliardär wie aus dem Buche, ein gewiefter Taktierer.

Seit Monaten schon kämpfen die beiden für ihre widerstreitenden Pläne: Spoerr gegen die Zerschlagung von Freenet, Dommermuth dafür, Freenet mit Partnern zu übernehmen und das lukrative Geschäft mit den schnellen DSL-Anschlüssen zu ergattern. Jetzt kann, wie es scheint, Spoerr den ersten Punktsieg nach Hause tragen. Die Übernahme von Debitel steht, die Verträge sind unterzeichnet – ein Rückschlag für Dommermuth.

Der Streit zwischen Spoerr und Dommermuth, das ist wie das Aufeinandertreffen zweier Alphatiere. Beide ähneln sich und mögen sich wohl gerade deshalb nicht. Und beide kämpfen vor allem für eines: für ihr eigenes Unternehmen.

Das zeigt sich wenige Tage nach jenem Hamburger Treffen. Eigentlich ist Dommermuth zufrieden: Er hat immerhin erreicht, dass neu verhandelt wird. Die Finanzchefs reden bereits über Modalitäten. Doch dann platzt die Nachricht herein, dass Freenet kurz vor dem Vertragsabschluss mit Debitel steht. Dommermuth schäumt, denn für ihn kommt eine Übernahme von Freenet und Debitel keineswegs infrage. „Diese Milliardenbelastung ist eine viel zu große Herausforderung“, weiß er.

Aggressiv, aber nicht riskant bis zum Letzten – das ist eine der Managementmaximen des ehemaligen Messdieners Dommermuth. Wäre es nach seiner Mutter gegangen, würde er sich nach seiner Banklehre heute in Ruhe auf seine Rente „vorbereiten“. Doch das ist nichts für den damals 25-Jährigen. Der startet den Verkauf von Computern. Das Geschäft läuft aber so schleppend an, dass Dommermuth sogar sein Auto abgeben muss. Später verkauft er Bildschirmtextanschlüsse sowie Internetzugänge der Telekom und ist erfolgreich.

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