Econ Award
„Zu viele Firmen versuchen PR-Tricks“

Der Econ Award wird seit zehn Jahren verliehen. Der Jury-Vorsitzende Klaus Rainer Kirchhoff und der Econ-Verlagsleiter Jürgen Diessl sprechen aus diesem Anlass über die Zukunft der Kommunikation.

BerlinSie kennen sich nicht erst seit der ersten Jury-Sitzung des Econ Award vor zehn Jahren. Klaus Rainer Kirchhoff, Gründer und Chef der gleichnamigen Kommunikationsagentur und zugleich Jury-Chef sowie Jürgen Diessl, Leiter des Econ-Verlags, sind ein eingespieltes Team. Und so braucht es wenig, um sie zu einem gemeinsamen Interview in Berlin zu überreden.

Zum zehnten Mal wird in diesem Jahr der Econ Award verliehen. Was ist Ihnen in der Rückschau am besten in Erinnerung geblieben?
Klaus Rainer Kirchhoff: Sehr intensive Diskussionen in der Jury. Wir haben viele Arbeiten der Unternehmen intensiv diskutiert. Dabei war es interessant zu erleben, wie unterschiedlich die Blickwinkel je nach Profession sind. Und auch der Input unserer internationalen Jury-Mitglieder war immer höchst befruchtend.
Jürgen Diessl: In Erinnerung bleiben natürlich die Preisverleihungen, bei denen wir noch einmal komprimiert sehen und spüren konnten, was für tolle und kreative Möglichkeiten die Unternehmenskommunikation nutzen kann, wenn die üblichen Pfade verlassen werden. Und ja, auch ich erinnere mich gerne an einige sehr intensive Diskussionen in der Jury, bei denen die Entscheidung, ob etwas gut oder daneben war, sehr kontrovers lief - mit guten Argumenten.

Gab es Publikationen, die Ihre Arbeit als Kommunikationsprofi beziehungsweise Verlagsleiter beeinflusst haben?
Diessl: Ja, immer wieder. Gerade aus dem Printbereich habe ich einige Publikationen bei mir im Büro stehen, um sie immer mal wieder in internen Diskussionen auf den Tisch zu legen und zu sagen: Das kann man auch so machen. Außerdem haben sich über den Wettbewerb für unseren Verlag viele persönliche Kontakte ergeben, die auch für unser klassisches Verlagsgeschäft sehr interessant sind.
Kirchhoff: Ich erinnere mich zum Beispiel an Kurzvideos der Nato anlässlich eines Jubiläums. Großartig! Eine ganz überraschende Art, die Story hervorzuheben, ohne das übliche Blabla, das man in Unternehmensvideos so oft antrifft. Wir haben in allen Kategorien immer wieder überraschende und innovative Arbeiten gesehen. Gerade das wollen wir mit dem Award fördern: innovative Kommunikation, die sich vom Mainstream abhebt.

Hat sich Unternehmenskommunikation seit dem Start des Wettbewerbs verändert?
Kirchhoff: Ja, enorm. Dazu haben verschiedene Entwicklungen beigetragen. Die Digitalisierung beeinflusst die Unternehmenskommunikation stark. Nicht nur Unternehmen, auch Agenturen sind recht spät aufgewacht. Die digitale Kommunikation verlangt ein ganz anderes Denken. Das Nutzerverhalten der digitalen Medien ist vollkommen anders als das der Printmedien. Und die Finanzkrise hat manche Unternehmen dazu animiert, sich vom üblichen PR-Blabla zu verabschieden und anspruchsvoller zu kommunizieren. Wohlgemerkt: manche.
Diessl: Das sehe ich auch so. Letztlich steigt auch das Anforderungsprofil beständig, weil immer mehr Kommunikationskanäle zur Verfügung stehen, und von allen Seiten um die Aufmerksamkeit der Menschen gebuhlt wird.

Bewegen sich die Unternehmen und Institutionen dabei in die richtige Richtung?
Kirchhoff: Vor allem Institutionen haben uns immer wieder überrascht. Staatliche oder auch kommunale Organisationen haben oft vorbildliche Arbeiten eingereicht. Unternehmen sind häufig noch zu sehr in ihren alten PR-Schemata verhaftet. Die Unternehmen "verkaufen" Kommunikation oft wie Produkte und übersehen dabei das veränderte Anspruchsverhalten der Empfänger.
Diessl: Das stimmt. Was wir auch sehen ist, dass sehr oft Kreativität Budget schlägt und mittelständische Unternehmen tolle Arbeiten einreichen, die uns begeistern.

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„Unser Anspruch wird jedes Jahr höher geschraubt“

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