Edelhotel mit Geschichte
Doppeltes Comeback

Horst Schulze, Gründer der Hotelkette Ritz-Carlton, erweckt eine Luxusherberge an der Düsseldorfer Königsallee nach jahrelangem Hickhack und einigen Eigentümerwechseln wieder zum Leben: den "Breidenbacher Hof".

DÜSSELDORF. Letztmalige Abschiedstourneen haben Konjunktur. Ob Barbra Streisand, Led Zeppelin oder Howard Carpendale: Auf Dauer scheinen weltbekannte Künstler einfach nicht ohne den Applaus ihrer internationalen Fan-Gemeinde leben zu können. Mit Horst Schulze ist es in der schillernden Hotel- und Tourismusbranche nicht viel anders. Als der Gründer der Luxushotelkette Ritz-Carlton die Internationale Tourismus-Börse in Berlin vor sechs Jahren als Abschiedsvorstellung aus seinem Berufsleben zelebrierte, war Wegbegleitern klar, dass es anders kommen würde.

Keiner glaubte auch nur ein Wort von Schulzes treuherzigen Beteuerungen, er freue sich auf die „Zeit nach Ritz-Carlton“. Als könnte dieser Mann jemals ohne die Hotellerie leben. Er konnte nicht. Sein Rentnerleben dauerte nicht einmal ein Wochenende. Bereits am ersten freien Samstag eröffnete er seiner Frau: „Ich langweile mich zu Tode. Ich werde eine neue Hotelkette gründen.“

In den folgenden Wochen und Monaten entwickelte Schulze neue Konzepte, akquirierte Investoren, formierte einen Mitarbeiterstab aus früheren Ritz-Carlton-Managern. „Ich habe keinen einzigen abgeworben, die wollten unbedingt mitmachen bei mir“, beteuert er. Er gründete die West-Paces-Hotel-Gruppe, zu der die Luxushotelkette Capella gehört. Deren erstes deutsches Haus eröffnet heute in Düsseldorf: Es ist der Neubau des renommierten, aber lange geschlossenen Breidenbacher Hofs.

Schulzes Leidenschaft gilt den äußerst exquisiten Hotels. In diesem Segment gebe es „gewaltiges Potenzial“ für die Hotelbranche, sagt Schulze. Er erwartet allein aus dem russischen und chinesischen Markt für die Zukunft „200 Millionen mehr Zimmernächte“. Doch das ist nur die eine Triebkraft. Vor allem aber will der 69-Jährige es noch einmal wissen. Für die kommenden Jahre bedeutet das: Wie schon mit Ritz-Carlton will Schulze eine Marke etablieren, die „den Luxus neu definiert und anführt“. Angesichts der boomenden Konkurrenz von Ketten wie Four Seasons, Mandarin Oriental, Peninsula oder Banyan Tree klingt das freilich ziemlich dick aufgetragen. Doch der gebürtige Deutsche ist sicher, seine Erfolge von einst – wie etwa eine Gästezufriedenheit von 97 Prozent – wiederholen zu können.

Ziel sei es, der anvisierten Klientel ein „besonderes Erlebnis zu gewährleisten“ – vom zuvorkommenden Flughafen-Chauffeur bis hin zum persönlichen Concierge während des gesamten Hotelaufenthaltes. Wenn also der Gast mit seinem Concierge um drei Uhr morgens Schach spielen will, dann soll er das können.

Und er soll es bezahlen. Denn in puncto Preise will Schulze ebenfalls in die Topliga aufsteigen. Luxus, so Schulze, sei ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, und „es gibt genügend Leute, die sich das leisten wollen“. Der Mann macht Tempo. Bis zum Jahr 2010 will er die Hotelmarke Capella als „erste Hotelgesellschaft im höchsten Luxussegment“ etablieren. Sie soll also Marktführer vor Ritz-Carlton, Four Seasons und allen anderen sein.

Für Branchenkenner ist das ein klarer Fall von Selbstüberschätzung. Denn bislang scheint die Auswahl der Capella-Standorte eher dem Zufall zu folgen als einer klaren Strategie: Österreich, Irland, Mexiko, Thailand und Singapur. Doch Horst Schulze ficht derlei Kritik nicht weiter an.

Das Interesse der Amerikaner an Irland ist groß? Also eröffnet er zwei Capella-Hotels auf der Grünen Insel. Ein hoher Prozentsatz seiner Klientel spielt Golf? Also sucht er Schlösser und Villen an den schönsten Golfplätzen in Mexiko und Südostasien. Kontakte hat der Mann mit der schlichten Metallbrille schließlich genug.

Den deutschsprachigen Markt will Schulze durch die Übernahme von legendären Hotels gewinnen, die weit über die Branche hinaus bekannt sind: Schloss Velden am Wörthersee war sein erster Streich, sein zweiter der Breidenbacher Hof in Düsseldorf.

Dass er nach jahrelangem Hickhack und gegen eine potente Konkurrenz den Zuschlag des Investors Pearl of Kuwait für das Hotel bekam, hat eine Vorgeschichte. Schon nach seiner Schließung im Jahr 1999 sollte das Traditionshaus als ein Ritz-Carlton wiedereröffnen. Damals war Schulze noch Chef dieses Unternehmens. Heute ist er sein eigener Chef.

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