EDF
Hickhack um Nachfolge bei EDF

Weil Favorit Henri Proglio Bedingungen stellt, wird eine entscheidende Sitzung im letzten Moment verschoben. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy zögert.

PARIS. Die Suche nach einem neuen Chef für Frankreichs Stromriesen EDF gerät immer mehr zur Farce. Ursprünglich sollte der Nachfolger von Pierre Gadonneix auf einer Verwaltungsratssitzung am Mittwoch gekürt werden. Doch offenbar hat Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy noch nicht entschieden, wer den strategisch wichtigen Staatskonzern lenken darf. "Die Sitzung wurde verschoben", heißt es aus Konzernkreisen. Jetzt ist vom 28. September die Rede. Möglich scheint nun sogar, dass Gadonneix ein paar Monate weitermachen darf. Denn noch ist kein klarer Favorit in Sicht. Neben Veolia-Chef Henri Proglio wird nun auch Ex-SNCF-Chefin Anne Idrac genannt. "Egal, wer es wird, der oder die neue an der Spitze ist bereits durch das Hickhack beschädigt", stöhnt ein Insider.

Den 66-jährigen Gadonneix hatte noch Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac ernannt. So galt der EDF-Chef nie als ein Mann, der Sarkozys volles Vertrauen hatte. Mit öffentlichen Forderungen, die Strompreise um 20 Prozent zu erhöhen, hatte sich Gadonneix den letzten Kredit beim Präsidenten verspielt. Nun soll er gehen.

Doch die Nachfolger-Suche gleitet Sarkozy zunehmend aus der Hand. Sein Favorit ist Veolia-Chef Henri Proglio. Dieser kennt EDF gut, weil er dort seit einigen Jahren bereits im Verwaltungsrat sitzt. Ferner hat er das Vertrauen der Gewerkschaften, die bei EDF eine wichtige Rolle spielen.

Aber Proglio will partout nicht von Veolia lassen. Er will den Chef-Job bei EDF nur übernehmen, wenn er gleichzeitig den Verwaltungsratsvorsitz bei Veolia behalten darf, heißt es in Paris. "Man kann nicht Präsident zweier Gesellschaften sein", heißt es im Élysée-Palast. Zudem sähe Proglios Doppelpräsidentschaft wie ein Vorspiel für eine Fusion zwischen dem Staatskonzern EDF und Veolia aus.

Sollte Proglio nicht nachgeben, scheint seine Benennung an die EDF-Spitze zweifelhaft. Aber er bleibt im Rennen. Neu im Kandidaten-Karussell ist Anne Idrac, derzeit Staatssekretärin für Außenhandel. Sie hat als Ex-Chefin der Staatsbahn SNCF und der Pariser Verkehrbetriebe RATP Erfahrung mit Staatskonzernen, bei denen die Gewerkschaften stark sind. Doch ihre Verbindungen zur Gewerkschaft gelten nach ihrer Zeit bei der SNCF als unterkühlt.

Bei EDF ist solches Personal-Hickhack mittlerweile traurige Tradition. Auch Gadonneix war nicht die erste Wahl, als er 2004 von Gaz de France zu EDF wechselte. Ursprünglich wollte der damalige Premierminister Jean-Pierre Raffarin den damaligen EDF-Chef feuern und seinen Wirtschaftsminister Francis Mer an die EDF-Spitze hieven. Doch Staatschef Chirac wollte davon nichts wissen. Der Krach in der Regierung wurde publik. Um seinen Premier nicht zu beschädigen, stimmte Chirac zwar zu, sich vom amtierenden Chef zu trennen. Doch statt Francis Mer bekam Gaz-de-France-Chef Pierre Gadonneix den Job.

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