Edward S. Lampert
Der Unscheinbare

Vor ein paar Tagen zogen die Aktien der amerikanischen Kaufhauskette Macy's plötzlich an. Auf dem Parkett machte ein Gerücht die Runde: Eddi ist auf der Jagd. Gemeint war Edward S. Lampert – Hedge-Fonds-Manager, Milliardär und einer der erfolgreichsten, aber auch geheimnisvollsten Investoren Amerikas. Der erst 44-jährige Lampert beflügelt die Phantasien der Börsianer.

NEW YORK. Ein Engagement beim Traditionshaus Macy's würde passen. Hat Lampert doch bereits mit Sears und Kmart zwei andere Handelshäuser im Schwitzkasten.

Im April teilte er der amerikanischen Börsenaufsicht SEC in wenigen, trockenen Sätzen mit, dass sein Hedge-Fonds, ESL Investments, seit eineinhalb Jahren für mehr als 800 Mill. Dollar Aktien der Citigroup gekauft hat. Der Chef der amerikanischen Großbank, Charles Prince, steht mit dem Rücken zur Wand und muss in diesem Jahr zeigen, dass er dem Finanz-Koloss Beine machen kann. Lampert, so hoffen die Spekulanten, wird Druck machen und vielleicht sogar für eine Aufspaltung des Konzerns sorgen.

Auch beim angeschlagenen Autobauer General Motors (GM) war Lampert auf der Pirsch. Im vergangenen Jahr wurde offenbar, dass er über seine Tochterfirma RBS Partners 1,75 Millionen GM-Aktien aufgekauft hatte. Seine Absichten blieben im Dunkeln.

Dreh- und Angelpunkt seiner Investment-Streifzüge ist jedoch die Handelskette Kmart, die Lampert vor zwei Jahren mit dem Kaufhauskonzern Sears Roebuck verschmolzen hat. Zunächst kaufte der Finanzier die Anleihen der im Konkurs befindlichen Kmart auf und übernahm ein Jahr später die Kontrolle. Der Schachzug kostete ihn zwar knapp eine Milliarde Dollar, doch allein die Immobilien der Kette waren mehr als das Doppelte wert. Zwei Jahre später nutzte er den stetigen Cash-flow von Kmart zum Angriff auf Sears.

Mit einem harten Sparkurs trimmte er den neuen Handelskonzern auf Gewinn. Einige Analysten betrachten die Strategie des Handelsnovizen skeptisch. Marktanteile wurden zu Gunsten höherer Margen aufgegeben. Statt zu investieren, kauft Lampert lieber eigene Aktien zurück. Auf Dauer, so die Kritiker, lasse sich das nicht durchhalten. Die Börsianer glauben jedoch an Lampert. Der Kurs von Sears ist seit der Übernahme vor vier Jahren um mehr als 70 Prozent gestiegen. Mit rund 3,4 Milliarden Dollar in der Kriegskasse kann Lampert nach neuen Übernahmezielen Ausschau halten. Die Baumarktkette Home Depot und der Bekleidungshändler Gap gelten als potenzielle Kandidaten des Finanziers.

Der Sohn eines Anwalts wuchs auf Long Island auf und verdankt sein Interesse an Finanzthemen seiner Großmutter. Mit ihr zusammen blätterte Lampert schon als Kind den Börsenteil der großen Zeitungen durch. „Risiko-Arbitrage war für mich eine intellektuell Herausforderung“, erzählte er einmal, „man muss die Situation in einer sehr kurzen Zeit analysieren und den Zusammenhang zwischen Risiken und Gewinn genau verstehen.“ Sein großes Vorbild ist Warren Buffett, dessen langfristig angelegte Investmentphilosophie er teilt und häufig kopiert. Ähnlich wie Buffett sucht Lampert nach unterbewerteten Unternehmen und studiert seine Übernahmeziele akribisch genau. Dabei schaut er weniger auf die Quartalsergebnisse als vielmehr auf die Fundamentaldaten der Firmen. Anders als sein Idol scheut Lampert sich jedoch nicht, aktiv in das Management seiner Unternehmen einzugreifen.

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