Egon Behle
Neue Bescheidenheit

Egon Behle hat einen guten Ruf als Sanierer. Nun hat er beim Münchener Triebwerksbauer MTU das Sagen. Der 52-Jährige schlägt aber leisere Töne an als sein Vorgänger Udo Stark, der mit hohen Vergütungen und Abfindungen für einigen Wirbel sorgte.

MÜNCHEN. Egon Behle hat beim Triebwerkshersteller MTU sein „Thema“ wiedergefunden. Noch vor wenigen Monaten referierte der 52-Jährige über hydraulische Lenksysteme und die Vorteile elektronischer Steuerelemente für die Automobilindustrie.

Heute gehen dem Mann mit dem sorgfältig gebürsteten Haar während der ersten Pressekonferenz für seinen neuen Arbeitgeber MTU in München Begriffe wie „Flying Testbed“ oder „Getriebefan“ genau so flüssig über die Lippen. Als habe er nie über etwas anderes gesprochen.

Zumal ihm das unscheinbare Wort „Thema“ offensichtlich ans Herz gewachsen ist. Ob Zukaufpläne der MTU, Dollar-Sinkflug, Kostensenkungsprogramm oder das neue Werk in Polen. Irgendwie schafft es Behle fast immer, das Wort in seine Sätze einzuflechten, selbst wenn es thematisch deplatziert wirkt. Beim Triebwerksbau, dem Kerngeschäft des Unternehmens, ist er dann allerdings wieder ganz beim Thema. Schließlich hat Behle Luft- und Raumfahrt studiert und kann bei MTU nach einem langen Ausflug in die Maschinenbau- und Automobilindustrie an seine Leidenschaft anknüpfen.

Behle ist seit Jahresbeginn Vorstandschef der MTU Aero Engines. Zuvor leitete er zehn Jahre die nicht börsennotierten ZF Lenksysteme in Schwäbisch Gmünd, ein Gemeinschaftsunternehmen von ZF Friedrichshafen und Bosch. Dort hat sich der gebürtige Hesse den Ruf eines konsequenten Sanierers erworben.

Als er sich vor Monaten zum ersten Mal als MTU-Chef vorstellte, musste er sich daher fragen lassen, was ein Sanierer beim Triebwerksbauer zu suchen habe. Denn der ist alles andere als ein Sanierungsfall.

Für den gestrigen Tag hat er sich deshalb offenbar eine Antwort zurechtgelegt. In der Autoindustrie werde „ständig an Details zur Kostenoptimierung gearbeitet“, sagt Behle. Und so legt er gleich ein Projekt zur Kostenoptimierung auf, um die Folgen des schwindsüchtigen US-Dollars aufzufangen: 35 Millionen Euro will er in diesem Jahr sparen – recht ehrgeizig, gemessen am geplanten Ergebnis von 390 Millionen Euro. Trotzdem: „Kein großes Programm mit wohlklingendem Namen“, sagt er. Von Entlassungen will Behle nichts wissen, eher denkt er an das Drehen vieler kleiner Schrauben – wie in der Autoindustrie.

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