Egon Zehnder zeigt sein Management Appraisal vor
Endlich Einblick in die Giftküche

Dieses Buch ist eine Sensation! Schon vor Jahren hatte die in Deutschland renommierteste Personalberatung, Egon Zehnder International, das Buch angekündigt. Kaum jemand hatte noch daran geglaubt, dass die auf Abschottung bedachten Zehnder-Berater sich dazu durchringen könnten. Jetzt haben sie die Branche überrascht.

HB DÜSSELDORF.In den letzten Jahren sind etliche Publikationen zu verschiedenen Spielarten der Potentialanalyse erschienen, weist dieses Instrument doch in einem insgesamt zurückgehenden Markt noch Zuwachsraten auf.

Allerdings ließ sich bisher keine der bekannten Executive- Search-Gesellschaften so richtig in ihre Karten schauen. Zumeist wurde nur um ihre besondere Spielart der Potenzialanalyse allgemein herumgeredet und schon gar nicht wurden umfangreich Klientenbeispiele präsentiert.

Das Buch von Zehnder dagegen schildert ausführlich die Methode des Unternehmens und stellt zusätzlich auf 75 Seiten die bemerkenswerte Zahl von 14 Klientenbeispielen vor: Jeder Branchenkenner weiß, wie schwierig es ist, die Zustimmung der betreuten Unternehmen zu einer Veröffentlichung zu bekommen.

Zehnder gesteht sogar ein, dass die Wahl des Begriffs Appraisal, Audit oder Potenzialanalyse eher eine Frage der Einstellung als der Methodik und damit nicht zwingend sei. Dem Einblick in die Ausgangsbasis (Definition, Auswahl und Messen von Kompetenzen) und in den Ablauf (Sechs Schritte) wird die Einsicht vorangestellt, dass selbst das allerbeste Appraisal keine wissenschaftlich exakten Ergebnisse liefern kann.

Zehnder ist damit redlicher als zahlreiche Anbieter von anderen Instrumentarien, insbesondere computergestützten wie den psychometrischen Tests. In den letzten Jahren hat sich eine Flut von Verfahren zur angeblichen Messung von Befähigungen der Führungskräfte über das deutsche Management ergossen, aus der sich zwingend vor allem eine Frage ergibt, nämlich die nach der Wahrnehmung der Verantwortung durch Manager. Dieser Frage gehen die Zehnder-Berater im Buch allerdings auch nicht nach.

Das eingesetzte Instrumentarium liefert Ergebnisse, die dem Manager die eigene Entscheidung bei der Personalauswahl und Beförderungen abnehmen. Später kann er dann darauf verweisen, dass seine Entscheidung nicht falsch war, weil er sich ja nur nach den Resultaten der Messung gerichtet hat: „Also, wenn sogar schon Zehnder nach einem Appraisal einen Manager zurückhaltend beurteilt, dann konnte ich mich ja gar nicht anders entscheiden!“

Das könnte auch eine mögliche Antwort auf die Frage sein, warum das Appraisal bei etlichen Zehnder- Klienten kaum oder sogar gar keine Auswirkung auf den unternehmerischen Erfolg hatte, wie etwa 2002 bei der Dresdner Bank. Indessen wäre das vielleicht auch zu viel von einem Berater verlangt, wie ja selbst auch McKinsey sich zu einigen durchaus nachfragbaren Resultaten, wie zuletzt bei Karstadt, vornehm zurückhält.

Tilman Gerhardt, Jörg Ritter: Management Appraisal. Kompetenzen von Führungskräften bewerten und Potenziale erkennen. Das Egon Zehnder-Konzept, 183 Seiten, Campus 2004, 39,90 Euro.

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