Ehemalige Aufsichtsräte mussten sich erneut vor Landgericht verantworten
Mannesmann, die zweite

Das Düsseldorfer Landgericht wird Abfindungen an Pensionäre genau prüfen müssen.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Bei der Neuauflage des Mannesmann-Prozesses werden die Abfindungen an Mannesmann-Pensionäre eine zentrale Rolle spielen. Wie das Handelsblatt aus Kreisen der Beteiligten erfuhr, soll ein Sachverständiger bei der Klärung dieser Frage helfen: Ist Mannesmann durch Abfindungszahlungen an ehemalige Vorstände ein Schaden entstanden, der auf Untreue schließen lässt? Die Antwort darauf ist entscheidend für den Ausgang des neu aufgerollten Verfahrens vor dem Landgericht Düsseldorf. Bei der ersten Hauptverhandlung spielte die Pensionsregelung lediglich eine untergeordnete Rolle.

Unmittelbar nach der Übernahme des Düsseldorfer Traditionskonzerns durch die britische Mobilfunkgesellschaft Vodafone Anfang 2000 hat der Aufsichtsrat insgesamt 57 Mill. Euro an Prämien und Abfindungen genehmigt, etwa die Hälfte davon ging an 18 Mannesmann-Pensionäre beziehungsweise ihre Witwen.

Die ehemaligen Mannesmann-Aufsichtsräte, darunter Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Ex-IG-Metall-Vorsitzender Klaus Zwickel, mussten sich daher wegen des Verdachts auf Untreue vor dem Düsseldorfer Landgericht verantworten. Der Prozess endete mit Freisprüchen, die der Bundesgerichtshof (BGH) im Dezember vergangenen Jahres aufhob. Deutschlands oberste Strafinstanz verwies das Verfahren zurück.

Der BGH kritisierte den Umgang des Düsseldorfer Landgerichts mit den Zahlungen an Pensionäre. Die in der ersten Hauptverhandlung getroffenen Feststellungen seien lückenhaft, heißt es im BGH-Urteil. "Da ist dem Gericht offenbar die Luft ausgegangen", monierte Bundesrichter Klaus Tolksdorf im Revisionsverfahren. Bei der Neuauflage des Prozesses muss das Düsseldorf Landgericht daher in diesem Punkt deutlich nachbessern.

Hintergrund der Zahlungen an die Mannesmann-Senioren war das Versorgungssystem des Konzerns, das aus den 50er Jahren stammte. Demnach bekamen die ehemaligen Mannesmann-Vorstände entweder eine feste Pension, die sich nach dem letzten Festgehalt richtete, oder in guten Jahren eine so genannte Alternativpension, die sich am Einkommen der aktiven Vorstände orientierte - einschließlich aller Tantiemen. Auf diese Weise konnte sich das Ruhegeld schon mal verdoppeln.

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