Ehemalige Manager klagen: Dienstwagen-Streit bei Karstadt findet kein Ende

Ehemalige Manager klagen
Dienstwagen-Streit bei Karstadt findet kein Ende

Der Streit um die Dienstwagen früherer Karstadt-Quelle-Manager hat am Freitag das Essener Landgericht erreicht. Einen Vergleich haben die Anwälte beider Seiten dabei abgelehnt.

HB ESSEN. Vier ehemalige, jetzt pensionierte Führungskräfte wollen ihre Autos nicht zurückgeben. Ex-Konzernchef Walter Deuss, der Dienstwagen und Chauffeur auf Lebenszeit erhielt, fordert dagegen, dass sein früherer Arbeitgeber auch die Kosten für alle Überstunden des Fahrers übernimmt. Die Ex-Manager erschienen nicht zu der Verhandlung. Die Gerichts-Entscheidung wird am 10. Februar erwartet.

„Karstadt-Quelle braucht eine richterliche Entscheidung für seine zukünftige Praxis“, sagte Anwalt Ferdinand Nielsen, der den Konzern vertritt, am Freitag vor dem Essener Landgericht. Die fünf Ex-Vorstände wollen erzwingen, dass das Unternehmen ihnen wie bisher Dienstwagen zur Verfügung stellt. Sie berufen sich dabei auf Vereinbarungen mit dem Aufsichtsrat und die Dienstwagenordnung des Unternehmens, die vom Bereichsleiter bis zum Vorstand genau festlegt, wem welches Auto zusteht. Karstadt-Quelle hält die Vereinbarungen für nichtig, weil sie nach dem Ausscheiden der Führungskräfte aus deren aktivem Dienst abgeschlossen seien.

Die Karstadt-Quelle AG hatte angesichts der Krise die Privilegien ihrer Pensionäre im vergangenen Jahr eingeschränkt und dabei offenbar auf ein Entgegenkommen der Ex-Manager gesetzt. Während ein Teil der Betroffenen ihre Autos zurückgab oder übernahm, reichten andere Klage ein. Karstadt-Quelle-Anwalt Ferdinand Nielsen fehlt dafür das Verständnis. „Wir haben immer auf eine gewisse Einsicht gehofft“, sagte er im Prozess vor der 5. Kammer für Handelssachen. Schließlich müsse man angesichts der gravierenden Finanzkrise schon vom Gespür her andere Maßstäbe ansetzen als früher.

Vertreter des Betriebsrats äußerten Unverständnis über den Prozess. „Das Verfahren ist ganz bitter für die Beschäftigten und moralisch verwerflich“, sagte Gesamtbetriebsratsmitglied Christa Schubert aufgebracht. Zur Klage von Ex-Vorstandschef Deuss, der die Überstunden seines Chauffeurs vom Konzern bezahlt haben möchte, sagte Schubert: „Wir haben Dr. Deuss vertraut, er war eine Leitfigur.“ Es sei nicht hinnehmbar, dass Beschäftigte Einschnitte in Gehälter und Sozialleistungen hinnähmen und die Vorstände nicht zum Verzicht bereit seien. „Das Argument der Verhältnismäßigkeit hat in diesem Prozess keine Bedeutung“, erwiderte der gemeinsame Anwalt der Kläger, Wilhelm Moll. Die Frage sei, ob vier Autos für das Überleben des Konzerns von Bedeutung seien.

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