Ehemaliger HVB-Steuerchef Tibo
„Ich bin brutal aus dem Weg geräumt worden“

Mit dubiosen Cum-Ex-Deals soll die Hypo-Vereinsbank den Staat um Millionen Euro betrogen haben. Deren ehemaliger Steuerchef Tibo erhebt nun schwere Vorwürfe: Er habe frühzeitig gewarnt – und sei deshalb entlassen worden.
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MünchenFinanzleute wählen in der Regel selten markige Worte. Wenn Frank Tibo, der ehemalige Leiter der Steuerabteilung der Hypo-Vereinsbank (HVB), über seine Entlassung spricht, ist das anders. Er sei „brutal aus dem Weg geräumt worden“, schreibt Tibo in einem Brief an Betriebs- und Aufsichtsräte der Bank, den nun die „Süddeutsche Zeitung“ publik gemacht hat. Der Grund: Er habe schon frühzeitig vor dubiosen Aktiendeals gewarnt, mit der die Bank mehrere hundert Millionen Euro am Fiskus vorbeischleuste.

Seine Attacken gehen auch gegen Vorstandschef Theodor Weimer persönlich: Tibo spricht von Steuerhinterziehung, Falschbilanzierung und Untreue. Vor einem dreiviertel Jahr hatte sich die HVB von dem Finanzfachmann getrennt und ihm seitdem mehrere Kündigungen geschickt. Mit Klagen beim Arbeitsgericht München wehrt sich Tibo gegen die Entlassung.

Zuletzt war aufgedeckt worden, dass mehrere Banken mit so genannten Cum-Ex-Geschäften den deutschen Fiskus um Milliarden betrogen haben sollen. Banken und Fonds ließen sich offensichtlich mehr Kapitalertragsteuer erstatten als sie selbst gezahlt hatten. Auch Banker der HVB gerieten ins Visier der Fahnder, gegen frühere HVB-Händler in London und mehrere Mitarbeiter in der Münchener Zentrale wird ermittelt.

Intern habe Tibo schon im Oktober 2006 vor der großen Gefahr durch solche Geschäfte gewarnt – unter anderem beim damaligen Finanzvorstand Rolf Friedhofen. Tibo kritisiert auch die Bereiche des Unternehmens, die normalerweise penibel auf die Einhaltung von Regeln achten. So hätten Recht und Compliance „nachhaltig versucht, Fehlverhalten beider Bereiche seit 2006 zu vertuschen ...“. Man habe deshalb die Abteilung Steuern daran gehindert, Details über die Deals an den Fiskus weiterzugeben. Konsequenzen für den Fachbereich, den der heutige Vorstandsvorsitzende Weimer zu verantworten hatte, habe es nicht gegeben.

Er habe den Vorstandschef im November 2011 noch einmal persönlich auf die Probleme aufmerksam gemacht – ohne Konsequenzen. Im Gegenteil: Weimer habe ihn daraufhin von der Überwachung künftiger Aktiengeschäfte entbunden, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ weiter.
Die Hypo-Vereinsbank will sich wegen laufender Ermittlungen nicht zu den Details des Schreibens äußern, weist aber indirekt alle Vorwürfe zurück, heißt es in dem Bericht weiter. Man hätte nie einen Zweifel an der Aufklärungsbereitschaft zugelassen.

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