Ehepaar Achleitner: Die Deutschland-WG

Ehepaar Achleitner
Die Deutschland-WG

Ann-Kristin Achleitner und ihr Mann Paul wachen künftig über insgesamt sechs Dax-Konzerne. Das Ehepaar steht für den Trend zu professionellen Aufsichtsräten. Unter einem Mangel an Herausforderungen leiden sie nicht.
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DüsseldorfKennen gelernt haben sich Ann-Kristin Achleitner und ihr Mann Paul beim Studium an der Elite-Hochschule St. Gallen. Seitdem legen Sie eine Karriere im Gleichschritt hin. Die beiden galten bereits als das „vielleicht einflussreichste Paar der deutschen Wirtschaft“ (WirtschaftsWoche). Und dann kündigte Mitte der Woche der Rückversicherer Munich Re noch an, die Münchener Professorin in den Aufsichtsrat berufen zu wollen. Damit wird das Paar in insgesamt sechs Dax-Konzernen über Strategie und Corporate Governance wachen.

Was früher die Deutschland-AG war – ein Geflecht aus Überkreuzbeteiligungen der großen Konzerne – ist heute die Deutschland-WG. Auf der einen Seite des Küchentischs sitzt Paul Achleitner. Er steht derzeit im Kreuzfeuer. Als Aufsichtsratschef wacht der ehemalige Finanzvorstand der Allianz über die Deutsche Bank und kämpft mit allerlei Krisen, Ermittlungen und schrumpfendem Geschäft. Für sich selbst hat er den Weg zum professionellen Aufsichtsrat eingeschlagen, der allein als Aufpasser agiert. Auch bei Bayer, Daimler und RWE ist er Aufseher. Obendrein sitzt er bei Henkel zwar nicht im Aufsichtsrat, aber im Gesellschafterausschuss.

Auf der anderen Seite des Tischs sitzt seine Frau Ann-Kristin. Sie ist bereits Mitglied im Aufsichtsgremium des Handelskonzerns Metro (einem Ex-Dax-Konzern) und des Industriegase-Herstellers Linde. Jetzt kommt die Munich Re hinzu. Das Ehepaar trägt damit Mitverantwortung für das Geschick von deutschen Konzernen mit einem Börsenwert von derzeit zusammen 210 Milliarden Euro. Die Wirtschaftsprofessorin ist zudem Aufseherin beim französischen Energieversorger GDF Suez und der Schweizer Privatbank Vontobel.

Die Häufung von Ämtern von Aufsichtsräten ist immer wieder ein Grund zur Kritik. Zum einen können dadurch Seilschaften entstehen, zum anderen stellt sich die Frage, über wie viele Unternehmen man effizient wachen kann. Als Mitglied der Kommission für Corporate Governance („gute Unternehmensführung“) weiß Ann-Katrin Achleitner um diese Kritik. Sie kündigt daher im Gespräch mit Handelsblatt Online an, ein Mandat abzugeben.

Sie werde sich im April 2013 nach vier Jahren nicht wieder zur Wiederwahl bei Vontobel stellen. Die Entscheidung sei schon vor vielen Monaten gefallen und stehe „in keinerlei Zusammenhang mit den derzeitigen Herausforderungen der Schweizer Banken“. Sie wolle Zeit für ihre drei Kinder haben, was die Entscheidung für das Mandat in München im Tausch gegen das Schweizer Amt erleichtert habe. Und solange sie weiter am „Center for Entrepreneurial and Financial Studies“ der TU München arbeite, werde sie keine maßgeblichen neuen Mandate annehmen.

„Wer professioneller Aufsichtsrat ist, kann sicher sechs bis sieben Mandate handhaben“, sagt Jochen Vetter, Partner der Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller und Experte für Aufsichtsratshaftung. „Von der Erfahrung aus unterschiedlichen Gremien kann jede Firma profitieren.“

Kommentare zu "Die Deutschland-WG"

Alle Kommentare
  • Nicht nur das. Die Versicherungsprämien gehen z.L. des Unternehmens. Damit zahlt der Eigentümer für die Haftung des Managements und nicht der Manager.

    Wenn also die Versicherung ihrerseits ihre Kosten durch die Umlage dieser in Form von Versicherungsprämien umlegt, dann zahlt also der, der Haftungsanspruch gegenüber seinem untreuen Mitarbeiter hat, die Klatsche selbst.

    Kann mir jemand erklären, in was dann die Haftung des besagten Mitarbeiters liegt?

    Witzig oder?

  • Arbeitet Ms Achleitner auch für Mr Blankfein?

  • Tippt mal bitte "Aufsichtsrat wechselt in Vorstand" und umgekehrt in Google ein. Es ist ein einziges Schmierengeflecht, Anreize zur harten Aufsicht bestehen doch gar nicht! Das erklärt im Übrigen auch die hohen Vorstandsgehälter.

  • Braucht man wirklich Aufsichtsräte? Wie erfolgreich und wichtig dieses Instrument zur Aufsicht und Kontrolle ist nahezu täglich der Presse zu entnehmen (Thyssen Krupp, BER, und und und). Endlos. Damit erklärt sich auch das man gleich mehrere dieser Jobs übernehmen kann - nicht so wie das ordinäre Volk das i.d.R. mit einem Job gut ausglastet u. ausgelaugt wird. Alles unter Aufsicht eben :)

  • Und sehr praktisch ist es, daß die Unternehmen die Versicherungsprämien der Manager zahlen....

  • Wie kommt man überhaupt an solche Positionen. Es sieht doch so aus, dass sich Firmen auch über die Aufsichtsräte ein Beziehungsgeflecht aufbauen wollen. Beziehungen können ja nie schaden. Ich kenne das aus eigener Erfahrung als Vorstand. Desto bekannter einer ist oder um so mehr er mir helfen kann, umso attraktiver als Aufsichtsrat. Es könnten auch andere Funktionen sein. Berater o.ä. Aber der Titel Aufsichtsrat pflegt ja auch noch das eigene Ego. Das heisst aber im Endeffekt, dass man immer auf dieselben zurückgreift. Diese können dann aber in einem Interessenkonflikt kommen oder die Firmen gegeneinander ausspielen und an der Börse entsprechende Wetten abschliessen.

  • Mich würde es interessieren wie Aufsichtsbehörden über sogenannte "Chinese Walls" denken, wenn sich das Problem in einem einzigen Kopf abspielt.

    Es würde mich auch interessieren, weshalb auf diese sinnvollen Regelungen in diesen Fällen verzichtet wird. Es darf sich doch im Nachhinein keiner wundern, wenn es dadurch zu schwerwiegenden Verwerfungen kommt.

    Weshalb haben wir überhaupt Aufsichtsbehörden? Arbeitet dort überhaupt jemand oder stehen die nur auf der Gehaltsliste und werden nur gezielt auf politische Weisung hin tätig?

    Den Eindruck muss man von außen gewinnen.

    Siehe hierzu auch vergleichend den Fall "Mollath", an den immer wieder zu erinnern ist, damit er nicht nach politischem Kalkül in Vergessenheit gerät.

  • Thyssen-Krupp ist doch auch gut beraten worden.
    Fünf Mrd. Miese nur dieses Jahr.

  • Ach so, die kommen von der Unternehmensberater MAFIA, die nur so gut berät, dass sie garantiert auch wieder einen Folgeauftrag bekommt............

  • Vorstände und Aufsichtsräte haften persönlich für Fehler (siehe Aktiengesetz). Wenn sie aber keiner haftbar macht und entsprechende Fehler beweisen kann, dann ist es wie bei jedem Gerichtsverfahren..... Außerdem zahlen D&O Versicherer jährlich hunderte Millionen für Fehlentscheidungen von Managern. Der größte Witz ist aber der Selbsbehalt den Manager selbstredend wieder versichern können. An diesem Beispiel zeigt sich wie unsere Politiker Gesetze stricken!

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