Ehrung für einen Industriellen
Auf dem Boulevard Beitz

Die deutsche Industrie-Ikone Berthold Beitz ist 93 und in den vergangenen Jahrzehnten mit Ehrentiteln überreichlich eingedeckt worden. Nun hat ihm seine Wahl-Heimatstadt Essen die Ehrenbürgerwürde verliehen. Weil das vorher schon Greifswald und Kiel taten, ließen sich die Stadtväter noch ein Bonbon einfallen.

ESSEN. Womit soll man jemandem noch eine Freude machen, der schon mit allen erdenklichen Ehrungen überhäuft worden ist? Dr. h.c. der Universitäten Greifswald, Krakau, Bochum und Tel Aviv. Professor und Kuratoriumsvorsitzender mult., Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband. Mit höchsten Orden aus Korea und Polen dekoriert, zum Ehrenvorsitzenden „seines“ Aufsichtsrats ernannt. Und, für ihn persönlich vielleicht am allerwichtigsten: bereits zu Lebzeiten als „Gerechter der Völker“ in der jüdischen Gedenkstätte Yad Vashem in Israel geehrt.

Wer Berthold Beitz in seinem Arbeitszimmer im ersten Stock des ehemaligen Gästehauses der Villa Hügel besucht, dem stechen die vielen Urkunden sofort ins Auge. Viele dieser Ehrungen sind dem 93-Jährigen wichtig, aber er weiß sie in ihrer mittlerweile sehr großen Zahl auch mit Humor zu nehmen. Die Ehrenfahne aus Essen, die er zum 90. Geburtstag verliehen bekam, hisste der legendäre Unternehmer zum Erstaunen seiner Nachbarn vor seinem Ferienhaus in Kampen auf Sylt.

Man kann sich lebhaft ausmalen, wie die Stadtväter in Essen schwitzen mussten, um sich einen weiteren Preis für Beitz auszudenken. Den Ehrenring der Stadt Essen, eigentlich die höchste Würdigung in der Ruhrmetropole, besitzt der Krupp-Verweser schon seit 1983. Für jeden anderen Deutschen wäre die Ernennung zum Ehrenbürger wohl eine ganz besondere Auszeichnung. Aber Beitz besitzt schon die Ehrenbürgerwürden von Greifswald und Kiel. Da verkommt die Urkunde aus Essen, die am Mittwochabend feierlich verliehen wurde, fast schon zur Normalität.

Wer die launigen Bemerkungen des Hochgeehrten und Hochbetagten zur Verleihung der Essener Ehrenbürgerwürde studiert, dem drängt sich der Eindruck auf: Noch mehr als über die Ehrenbürgerschaft freut sich Beitz darüber, dass künftig eine Straße in Essen seinen Namen trägt. Nein, nicht irgendeine Straße. Sondern die Straße, die an der neuen Hauptverwaltung von Thyssen-Krupp vorbeiführt, die aus Düsseldorf nach Essen zurückkehrt.

Der „Berthold-Beitz-Boulevard“, der macht ihm nach eigenen Worten „großen Spaß“. Der Dorfjunge, der im Sommer barfuß über vorpommersche Sandwege lief, man kann ihn sich dort als Flaneur vorstellen, der auf sein gewaltiges Lebenswerk zurückblickt. Am Ende fügt sich alles, wie er es wollte: Krupp und Essen, sie gehören wieder zusammen. Boulevard komme vom deutschen Wort „Bollwerk“, betont Beitz. Thyssen-Krupp als Bollwerk – daran arbeitet Beitz bis heute unermüdlich. Denn Arbeit findet er viel wichtiger als alle Ehrungen.

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