Eigentlich war ihm eine Bankkarriere bestimmt
Mit Neugier aufs Entscheidende

Rainer Nahrendorf, ehemaliger Chefredakteur des Handelsblatts, wird 60. Unzählige Journalisten haben bei ihm über die Jahre gelernt, dass in der Wirtschaftsberichterstattung zwar jeder Tag zählt, am Schluss aber immer Substanz entscheidet.

DÜSSELDORF. Rummel um seine Person mag er nicht. Aber so ganz wird Rainer Nahrendorf zu seinem 60. Geburtstag am Wochenende wohl nicht den Gratulanten entgehen. Die Redakteure des „Handelsblatts“ werden mit ihrem ehemaligen Chefredakteur, der sich in den Urlaub nach Österreich abgemeldet hat, deshalb erst in einigen Wochen anstoßen können. Die meisten von ihnen hat Rainer Nahrendorf in seiner fast 32-jährigen Tätigkeit in Düsseldorf selbst zum „Handelsblatt“ gebracht; und viele kamen nicht zuletzt deshalb, weil sie mit ihm arbeiten wollten (auch der Verfasser dieser Zeilen). Unzählige Journalisten haben bei ihm über die Jahre gelernt, dass in der Wirtschaftsberichterstattung zwar jeder Tag zählt, am Schluss aber immer Substanz entscheidet.

Eigentlich war dem Hamburger, der zufällig in der Steiermark auf die Welt kam, eine Bankkarriere bestimmt. Als persönlicher Assistent des Privatbankiers und langjährigen Bankenpräsidenten Alwin Münchmeyer hatte er die besten Aussichten für einen steilen Aufstieg im Kreditgewerbe. Doch dann lockte ihn der Wirtschaftsjournalismus so sehr, dass er 1972 sogar von der Elbe an den Rhein wechselte.

Als profilierter Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitiker hat er das „Handelsblatt“ über weite Strecken publizistisch erst zu dem gemacht, was es heute ist. Seine Zeit als Chefredakteur (gemeinsam mit Waldemar Schäfer) gehörte zwischen 1989 und 2001 zu den erfolgreichsten Phasen der Zeitung. Viele Formate und Ideen (zum Beispiel die eigenen Konjunkturindikatoren) gehen auf Rainer Nahrendorf zurück. Er leitete den Wechsel von einer Fachzeitung zur allgemeinen Wirtschaftszeitung ein. Als fairen und kritischen Gesprächspartner schätzen ihn Politiker aus allen Parteien.

Dabei ist Nahrendorf immer Journalist geblieben, getrieben von der Neugier aufs Entscheidende, das er mit Eigensinn zu recherchieren und mit Hintersinn zu kommentieren weiß. Als Chefredakteur wünschte er sich stets, mehr Zeit für eigene Artikel zu bekommen. Als Chefkorrespondent des „Handelsblatts“ wird er sich diesen Wunsch in den nächsten Jahren noch einmal erfüllen: Mit journalistischer Neugier, stets auf der Suche nach dem interessanten Ansatz, sachkundig bis ins komplizierte Detail, mit Ironie und Humor bei der Sache, vorbildlich in der Zusammenarbeit mit jungen Kollegen und mit Rat und Tat immer ansprechbar für seinen Nachfolger.

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