Eigentlich wollte der Vorwerk-Chef ja Professor werden
Zeit für eine Revolution

Bei Vorwerk wechselt Jörg Mittelsten Scheid in den Beirat. Erstmals seit 122 Jahren steht dann kein Familienmitglied mehr an der Firmenspitze.

WUPPERTAL. Es ist wie immer. Unten schlängelt sich die Wupper durchs enge Tal. Darüber und daneben rauscht die Schwebebahn an grünen Gerüsten von Station zu Station. Und leicht erhöht, im Stadtteil Barmen, thront still und unerschütterlich die Hauptverwaltung von Vorwerk.

Doch die Ruhe täuscht. In dem hellen Fünfziger-Jahre-Bau im Wuppertaler Mühlenweg 17 bis 37 steht eine Revolution ins Haus. Der Mann, der den Hersteller von Staubsaugern, Küchengeräten und Teppichen groß gemacht hat, tritt ab. Erstmals in der 122-jährigen Firmengeschichte arbeitet dann niemand mehr aus der Eigentümerfamilie in der Geschäftsführung von Vorwerk & Co.

Der Mann heißt Jörg Mittelsten Scheid. Er sieht trotz seiner 69 Jahre keineswegs aus wie ein kommender Pensionär. Schlank, groß gewachsen, früher ein hervorragender Skiläufer, sitzt er nun da auf einem Stuhl, den er sich vom Schreibtisch eben herübergezogen hat, wippt ab und zu mit dem Fuß und spricht über die Dinge, die anstehen. Ende Dezember wechselt er aus der Geschäftsführung an die Spitze des Beirats.

"Das ist ein großer Einschnitt für das Unternehmen und für die Familie", sagt Mittelsten Scheid. Der Mann im dunklen Sakko hat Vorwerk geprägt wie kein anderer. Er sorgte dafür, dass die grün-beigen Staubsauger auch im Ausland verkauft werden. Er setzte auf den Direktvertrieb und verzehnfachte den Umsatz auf rund 2,1 Milliarden Euro.

Klar, dass Mittelsten Scheid, der "auf langfristig orientiertes Handeln" Wert legt, seinen Wechsel ganz im Vorwerkschen Sinne sorgfältig geplant hat. Er übergibt das Geschäft an die zwei persönlich haftenden Gesellschafter Achim Schwanitz und Markus von Blomberg. Ein dritter wird voraussichtlich bald hinzukommen. Außerdem gibt es zwei weitere Geschäftsführer.

Aber Mittelsten Scheid verschwindet keineswegs von der Bildfläche. Er bleibt der Senior der Familie, der Patriarch, der die "Brücke zwischen Unternehmensleitung und Familie bildet", wie er sagt. Damit dies funktioniert, erhält er als Chef des Beirats künftig echte Entscheidungsgewalt. So geht bei wichtigen Personalfragen und anderen strategischen Entscheidungen auch künftig nichts ohne ihn.

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