Management
Eigentümer von Knorr zieht sich zurück

Viele Beobachter haben bis zuletzt daran gezweifelt, dass Heinz Hermann Thiele sich tatsächlich aus seinem Unternehmen Knorr Bremse zurück ziehen würde. Doch gestern kündigte der Vorstandsvorsitzende und Haupteigentümer der Münchener Traditionsfirma an, dass er am 1. April 2007 in den Aufsichtsrat wechseln werde. Sein Nachfolger werde Raimund Klinkner, derzeit noch stellvertretender Vorstandschef von Gildemeister.

jojo MÜNCHEN. „Damit haben wir endlich eine Lösung gefunden“, sagte der 65-jährige Thiele vor der Presse in München. Seit Jahren schon wurde über die Nachfolge an der Spitze des weltweit führenden Bremsenherstellers für Nutz- und Schienenfahrzeuge spekuliert. Nicht wenige Beobachter vermuteten, Thiele würde die Firma weit über das Rentenalter hinaus führen.

Knorr steht blendend da. Vergangenes Jahr kletterte der Umsatz um 13 Prozent auf 2,7 Mrd. Euro. Rund zwei Drittel des Zuwachses hat Knorr aus eigener Kraft erzielt, den Rest aus Übernahmen. Der Gewinn erreichte 154 Mill. Euro nach 130 Mill. im Jahr zuvor. Auch für dieses Jahr zeigte sich Thiele sehr zuversichtlich: „Wir werden deutlich über 2005 liegen. Der Umsatz kann durchaus die drei Milliarden-Grenze erreichen.“

Thiele trat vor 37 Jahren in das Unternehmen Knorr Bremse ein, seit 20 Jahren gehört ihm die Firma. Aus einem siechenden Mittelständler formte er den global führenden Anbieter von Bremssystemen für Laster und Eisenbahnen. Inzwischen arbeiten 12 000 Menschen für Knorr, die Firma unterhält Niederlassungen und Werke rund um die Erde.

Thieles Nachfolger muss vor allem die weitere Expansion in Angriff nehmen. Denn bis 2010 soll der Umsatz nach dem Willen des Eigentümers auf vier Mrd. Euro steigen. „Um das zu erreichen, brauchen wir Akquisitionen“, sagte Thiele. Bis zu drei große Übernahmen mit einem Volumen von jeweils mehreren hundert Mill. Euro seien möglich. Thiele: „Das ist keine Frage der Finanzierung.“ Ein Börsengang, über den regelmäßig spekuliert wird, sei dafür jedenfalls nicht nötig.

Ziel der Einkaufstour sei es, in verwandte Arbeitsgebiete zu gehen. Neben Bremsen baut Knorr auch Türsysteme für Eisenbahnen und für Bahnsteige sowie Klimaanlagen für Züge.

Knorr profitiert kräftig vom guten LKW-Geschäft. Von Amerika bis China brummt der Laster-Verkauf. Die Bayern partizipieren als Zulieferer der großen Brummi-Produzenten. Ihre Auftragsbücher sind randvoll. Nicht ganz so rund läuft es mit den Eisenbahnen. In vielen Teilen Europas und vor allem auf dem Heimatmarkt Deutschland halten sich die Bahngesellschaften mit Bestellungen zurück. In China dagegen wird das Bahnnetz ausgebaut. Knorr rechnet dort mit steigenden Umsätzen.

Der designierte Konzernchef Klinkner ist noch Produktionschef des Maschinenbauers Gildemeister. Ein ähnliches Arbeitsgebiet hatte der 41-Jährige in den Neunzigerjahren bei Porsche in Stuttgart. Bei Knorr soll er neben seiner Position als Vorstandschef auch das Nutzfahrzeuggeschäft leiten. „Mit Klinkner haben wir einen gefunden, der zupacken kann“, unterstrich Thiele.

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