Ein Brite in Österreich
Bawag-Chef Roberts: Der Verschwiegene von Wien

Für Deutsche ist es relativ normal, auf einen Auslandsposten ins nahe Österreich zu wechseln. Briten dagegen verschlägt es nur selten in die Alpenrepublik. David Roberts gehört zu den wenigen Managern von der Insel, die sich trotz der Sprachhürde nach Österreich gewagt haben. Dort muss er Cerberus-Tochter Bawag wieder auf Kurs bringen.

In Wien gehört Roberts zu den bekanntesten Bank-Managern des Landes - als Chef der früheren Gewerkschaftsbank Bawag. Vor bald zwei Jahren hat ihn der US-Finanzinvestor Cerberus an die Donau gelockt. Roberts' Aufgabe war von Anfang an klar: Er musste die Bawag von Grund auf für den neuen Eigentümer Cerberus sanieren, der mehr als drei Mrd. Euro für den Kauf des Wiener Kreditinstituts investiert hatte. Zuvor hatte Roberts mehr als zwei Jahrzehnte für die Londoner Bank Barclays gearbeitet. Als verantwortlicher Vorstand für das Privatkundengeschäft war er sogar bis in die Führungsriege des Geldhauses aufgestiegen.

Eine typisch britische Eigenschaft hat Roberts auch in Wien nicht abgelegt - die Verschwiegenheit. "Ich kommentiere niemals einen Deal, bevor er nicht unter Dach und Fach ist", sagt der 46-Jährige. Deshalb erzählt er auch nichts darüber, warum er von London nach Wien gewechselt ist. Zerwürfnisse mit anderen Vorständen, spekulierten britische Zeitungen. Kollegen wie der österreichische Notenbankchef Ewald Nowotny bescheinigt dem Briten zudem eine ausgeprägte "Bodenhaftung".

Wegen seiner Verschwiegenheit hält sich der studierte Mathematiker und Betriebswirt auch mit Details über die Bawag zurück. Denn zum Leidwesen des von der weltweiten Finanzkrise arg strapazierten neuen Bawag-Eigentümers Cerberus entwickelt sich die Sanierung der früheren Gewerkschaftsbank langsamer als gedacht.

Vor drei Jahren war die Bawag wegen eines Finanzskandals auch außerhalb Österreichs in die Schlagzeilen geraten. Ein Verlust von gut drei Milliarden Euro stand in den Büchern, der damalige Vorstand wurde abgesetzt. Ihre wackligen Geschäfte mussten damalige Vorstandsmitglieder mit Gefängnisstrafen bezahlen.

Der neue Bank-Chef Roberts begann die Sanierung mit hohem Tempo. Unternehmensbeteiligen wurden verkauft, die Bawag trennte sich auch von lukrativen Beteiligungen in Osteuropa. Im vergangenen Jahr kam dadurch wieder Geld in die Kassen, was auf dem eingeschlagenen Sanierungskurs eigentlich helfen sollte.

Doch dann kam etwas, was auch ein anerkannter und erfahrener Banker wie David Roberts nicht vorhersehen konnte: die Finanzkrise. Während die meisten österreichischen Banken Probleme mit ihrem großen Osteuropa-Geschäft haben, erleidet die Bawag dasselbe Schicksal wie deutsche und britische Finanzhäuser. Das Wiener Geldhaus sitzt immer noch auf einem großen Berg strukturierter Wertpapiere. Nach unbestätigten Schätzungen sind es Papiere im Wert von etwa 1,7 Mrd. Euro. Im vergangenen Jahr musste Roberts darauf Wertberichtigungen von 870 Mio. Euro verbuchen, was der Bawag ein sattes Minus von 550 Mio. Euro bescherte.

Heute muss Roberts etwas machen, an das er bei seinem Amtsantritt wahrscheinlich im Traum nicht gedacht hätte: Der Bawag-Chef verhandelt mit dem österreichischen Finanzministerium über eine Staatsbeteiligung. 550 Mio. Euro sind im Gespräch, mehr Details könnte es in der nächsten Woche auf der Bilanzpressekonferenz geben. Das ist aber alles, was von der Bank dazu zu hören ist. So sind sie eben, die verschwiegenen Briten.

David Roberts

1963: David Roberts wird als Sohn eines Dockarbeiters in der englischen Hafenstadt Liverpool geboren.

1983: Nach dem Studium von Mathematik und Betriebswirtschaft beginnt Roberts seine Karriere beim britischen Bankhaus Barclays in London.

2005: Über zwei Jahrzehnte hinweg erklimmt der Bank-Manager erfolgreich die Karriereleiter bei Barclays. In diesem Jahr kommt der große Sprung - er schafft es in den Vorstand der Bank, verantwortlich für das Privatkundengeschäft.

2006: Der Höhenflug dauert nicht allzu lange, nach eineinhalb Jahren im Vorstand verlässt Robert die Bank.

2007: Der Brite wird von Cerberus zunächst als Berater bei der Wiener Bawag angeheuert.

2008: Am 1. Januar steigt Roberts bei der Cerberus-Tochter zum neuen Vorstandschef auf.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%