Ein eher leiser Mann
Der General im Gerichtssaal

Er ist ein Mann, der den Gerichtssaal gerne mit einem Schlachtfeld vergleicht – John T. Hickey. „Ich bin der General, der seinen Soldaten Befehle erteilt“, doziert der prominente Jurist aus Chicago über seinen Stil. „Ich gehe meinen Gegnern gerne schnell an die Gurgel.“

LOS ANGELES. Imposante Worte eines privat eigentlich eher leisen Mannes. Der Familienvater von fünf Kindern, seit 25 Jahren verheiratet, verbringt seine Zeit am liebsten mit seinen Söhnen beim Angeln – und ist längst ein Star in „Corporate America“. Die Manager von General Motors haben Hickeys Handy-Nummer immer griffbereit, und die Konkurrenz von Daimler-Chrysler zuckt zusammen, wenn der Name Hickey in einem anstehenden Fall auf der Anwaltsliste der Gegner auftaucht.

Der Grund: Im vergangenen Jahr gewann Hickey einen sehr prominenten Fall vor dem Gericht in Kansas City. Ein bekannter US-Football-Spieler, Derrick Thomas, war in seinem Chevrolet Suburban bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Die Verwandtschaft von Thomas verklagte GM mit der Begründung, der Wagen sei für die Straßenverhältnisse zu unsicher gewesen. Hickey schmetterte die 75-Millionen- Dollar-Klage ab und zählt seitdem zu den Hausanwälten von GM.

Er ist Partner in der Wirtschaftskanzlei Kirkland & Ellis, die mit ihren 854 Anwälten auf Platz 20 bei den amerikanischen Kanzleien liegt. Das Außergewöhnliche ist jedoch: Geht es um den Gewinn pro Anwalt, landet Kirkland mit durchschnittlich 1,9 Millionen US-Dollar auf Platz sieben in dieser Riege.

Hickey selbst – er genoss eine jesuitische Universitätsausbildung – ist davon überzeugt, dass er ständig im Recht ist. Und so verwundert es nicht, dass der 56-Jährige seinen Gegnern gerne vorhält, sie und ihre Hauptzeugen seien absolut im Unrecht. Eine Taktik, die die Geschworenen immer wieder aufs Neue zu beeindrucken scheint. „Ich bin ein Mensch, der gerne in Schwarz und Weiß denkt“, meint er von sich. Und führt im Gespräch mit dem Handelsblatt fort: „Nur so kannst Du das Gesetz wirklich gerecht anwenden. Die Geschworenen merken es, wenn Du sie an der Nase herumführen willst. Das ist nichts für mich.“

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