Ein Gespräch mit Unternehmenssanierer Mackebrandt
Wachstumsmarkt Sanierung

Das dicke Ende kommt noch: „Wenn der Aufschwung einsetzt, beginnt das große Unternehmenssterben“, ist Lutz Mackebrandt überzeugt. Der Sanierungsspezialist in der CMS Societät für Planung und Beratung in Berlin verweist auf Erfahrungssätze: Am Ende einer Krise seien die Kräfte vieler Unternehmen erschöpft. Es fehlt ihnen an Geld und am Personal, das abgebaut worden ist. Der Zug fährt alleine ab.

Vielen gefährdeten Unternehmen könnte das Insolvenzplanverfahren helfen, das Anfang 1999 in Kraft getreten ist und Unternehmen in der Krise zunächst vor den Gläubigern schützt, so dass ein Sanierungskonzept erstellt werden kann. Mackebrandt hält das Instrument im Prinzip für „segensreich“, bemängelt aber, dass es extrem kompliziert und damit für mittelständische Unternehmen zu aufwändig ist: „Die Architekten des Gesetzes hatten offensichtlich größere, prüfungspflichtige Unternehmen im Auge.“

Mackebrandt, der auch Vizepräsident des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) ist, hofft, dass der Gesetzgeber bei der gerade laufenden Überarbeitung der Insolvenzordnung der Anregung seines Verbands nachkommt, für kleine und mittlere Unternehmen ein einfacheres Planverfahren möglich zu machen, damit es häufiger als bisher eingesetzt werden kann.

Schon bei Firmen mit fünf oder zehn Millionen Euro Umsatz sei das Planverfahren relativ aufwändig, so dass für die externen Berater theoretisch hohe Honorare anfallen - theoretisch, weil die Betroffenen angesichts der Umstände davon absehen, diesen Weg zu beschreiten.

So nützlich das Insolvenzrecht zur Rettung von Unternehmen sein könnte, so hinderlich sind offenbar für die Unternehmensberater die Fallstricke des Rechtsberatungsgesetzes. Dieser „ewige Reibungspunkt“ ist, so Mackebrandt, derzeit wieder akut, weil der Gebrauch von Begriffen wie Insolvenz-, Krisen- oder Sanierungsmanagement beziehungsweise -beratung durch Unternehmensberater derzeit genutzt werde, um diese „mit Abmahnungen zu überziehen“.

Dies sei auch hinderlich bei der Verbreitung des Wissens um den Insolvenzplan, weil die Berater angesichts solcher Fallstricke nur verhalten für ihre Dienstleistung und Möglichkeiten werben könnten. Dass bei Planverfahren die Mitwirkung eines zugelassenen Anwalts unerlässlich ist, hält Mackebrandt für unumstritten.

Wachstumsträchtig ist aber dasInterimsmanagement zur Unternehmenssanierung: „Die Unternehmen haben ihr Personal so ausgedünnt, dass sie für zusätzliche Aufgaben auf Externe zurückgreifen müssen“, berichtet der Berliner Berater. Auch hätten in vielen Fällen die Fremdkapitalgeber das Vertrauen in die Unternehmer verloren, und riefen nach einer „Professionalisierung“.

Der größere Bedarf an Sanierern hat laut Mackebrandt aber auch eine wachsende Zahl von „Kollegen“ auf den Plan gerufen, die sich „anheischig machen, die notwendige Kompetenz zu besitzen, ohne über die notwendige Erfahrung zu verfügen“. Es sei geradezu schick, im Turn-around-Management tätig zu sein. „Man wundert sich gelegentlich, wer da alles zum Anbieter wird“, sagt Mackebrandt, doch irgendwie sei das nachvollziehbar, denn die Unternehmenssanierung sei ja leider ein Wachstumsmarkt.

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