Ein großer deutscher Unternehmer der Nachkriegszeit
„Der Abschied, er fällt mir sehr schwer“

Hans Imhoff, Schokoladenfabrikant und lange Zeit ein Original der deutschen Wirtschaft, ist im Alter von 85 Jahren gestorben.

DÜSSELDORF. Ein kleiner, untersetzter Mann steht auf dem Podium eines festlich geschmückten Saals. Im kölschen Singsang erklärt er seinen Zuhörern, wie die Wirtschaft so funktioniert: „Wir verkaufen unsere Schokolade ab Werk. Cash. Erst muss das Geld da sein. Dann wird nachgezählt. Dann nachgeguckt, ob nichts falsch ist. Und dann kriegt der LKW seine Schokolade. So machen wir das.“

Das Publikum unten klatscht, lacht und jubelt. Der Mann auf dem Podium grinst. Nun kommt er zu dem zahlenlastigen Teil seiner Rede, die er als Ratespiel zelebriert: So befragt er das Publikum zu Kennzahlen seines Unternehmens und belohnt richtige Antworten mit Hundert-Mark-Scheinen. Das Volk klopft sich auf die Schenkel.

Karneval in Kölle? Nein, die Hauptversammlung der Stollwerck AG. In der Bütt steht Hans Imhoff, Aufsichtsratschef des Unternehmens. Ein Mal im Jahr zelebrierte er vor Aktionären den rheinischen Kapitalismus – so gekonnt wie kein anderer. Ohne Manuskript plapperte er stets drauflos. „Ich spreche völlig frei, und mir fällt auch immer was ein.“ Meist ein Witz oder zumindest ein flotter Spruch.

Vor sieben Jahren stieg Imhoff zum letzten Mal in die Bütt. Für einen unterhaltsamen Spruch war er auch danach noch gut. Ende vergangener Woche ist Imhoff im Alter von 85 Jahren gestorben. „Mit Hans Imhoff verliert Köln einen herausragenden Bürger, der sich in vielfältiger Weise um unsere Stadt verdient gemacht hat“, sagte Oberbürgermeister Fritz Schramma.

Imhoff übernahm Anfang der 70er-Jahre die traditionsreiche Schokoladenfabrik Stollwerck, die damals tief in den roten Zahlen steckte. Er verband damit besondere Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend.

Imhoff, Sohn eines Kölner Schlossermeisters, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Als Zehnjähriger sammelte er Tischlereiabfälle und verkaufte sie als Anmachholz. Von den Pfennigen leistete er sich Schokolade – einen Luxus, den es zu Hause nicht gab. Und wenn er sich keine Schokolade kaufen konnte, lief er in die Kölner Südstadt zu Stollwerck und schlich um die Schokoladenfabrik herum: „Da habe ich mich dann sattgeschnuppert“, erzählte er.

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