Ein Leben im Labor
Porträt: Paul C. Lauterbur

Den diesjährigen Nobelpreis für Medizin teilt sich der US-Amerikaner Paul C. Lauterbur mit seinem britischen Kollegen Sir Peter Mansfield. Das Nobelpreiskomitee würdigte mit seiner Entscheidung die Entdeckungen der beiden Wissenschaftler im Zusammenhang mit der Kernspintomografie.

HB NEW YORK/URBANA. Für den US-Chemiker und Radiologen Paul C. Lauterbur gibt es nur eine Passion im Leben: seine Forschung. Bei aller Freude über den Nobelpreis fürchte er, dass ihn der Wirbel um die höchste Auszeichnung in der Medizin von seinem Arbeitspensum abhalten könne, verriet der frisch gekürte Preisträger von der Universität von Illinois in Urbana-Champaign der Deutschen Presse-Agentur. So wolle er ungeachtet der weltweiten Aufmerksamkeit an seinem Tagesprogramm festhalten, sagte Lauterbur: Darauf standen am Montag mehrere Arbeitstreffen mit Forschungskollegen und Studenten sowie ein „Rendezvous mit meinem Computer“.

Der 74-Jährige war am frühen Montagmorgen kurz nach 5.00 Uhr Ortszeit von einem Anruf des Karolinska-Instituts in Stockholm aus dem Schlaf gerissen worden. Lauterbur teilt sich die mit umgerechnet 1,1 Mill. € (10 Mill. Schwedische Kronen) dotierte Auszeichnung mit seinem britischen Kollegen Sir Peter Mansfield. Beide werden für ihre Arbeiten zur Anwendung der Kernspintomographie beim Menschen geehrt.

In Deutschland wird sich Lauterbur bereits in wenigen Tagen als Nobelpreisträger vorstellen. Am 17. Oktober hält er ein Seminar an der Universität München, einen Tag später einen Vortrag für die Eduard-Rhein-Stiftung. Ob die bevorstehende Reise ihn auch nach Göttingen bringen wird, war noch ungewiss. Lauterbur hatte dort etliche Jahre bei der Max-Planck-Gesellschaft mitgewirkt. Ein Göttinger Kollege ließ sich zu Lauterburs 70. Geburtstag etwas Besonderes einfallen: er legte einen mit Pfirsichen und Bananen belegten Geburtstagskuchen in den Kernspintomographen und schickte dem Jubilar die Aufnahmen - statt der Torte selbst.

Auch sonst verbindet den Wissenschaftler viel mit Deutschland, nicht zuletzt sein Name. Deutsche Freunde hätten ihm gesagt, dass der Name Lauterbur aus dem Westen des Bundesgebiets nahe der französischen Grenze stamme. Er selbst habe sich nie die Zeit genommen, seine Wurzeln väterlicherseits zu ergründen. Einfacher sei es auf der mütterlichen Seite, den Wagners aus Baden-Baden.

Lauterbur wurde am 6. Mai 1929 in der Kleinstadt Sydney im US- Staat Ohio geboren, studierte in Cleveland (Ohio) und forschte in Pittsburg (Pennsylvania) und Stony Brook (New York), bevor er 1985 das Labor an der Universität von Illinois übernahm, das er noch heute leitet. Der dreifache Vater wurde für seine Arbeiten zur Kernspintomographie unter anderem mit dem Albert-Lasker- Forschungspreis, der US-Wissenschaftsmedaille, der Goldmedaille der Radiologengesellschaft von Nordamerika und dem Kyoto-Preis für Fortschritte in der Technik gewürdigt.

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