Ein-Mann-Betriebe
Fehlende Vollmachten gefährden Existenzen

Weit über die Hälfte der deutschen Unternehmen sind so genannte Ein-Mann-Betriebe. Doch die schlanken Strukturen bergen auch Risiken. Fällt der Chef mal für längere Zeit aus, lässt sich die Zeit nur mit einem qualifizierten Ersatz überstehen. Doch für diesen Fall haben die wenigsten vorgesorgt.

ges DÜSSELDORF. Philipp Seifert ist der Prototyp des deutschen Unternehmers. Seit Gründung seiner Werbeagentur agentia23 GmbH ist er - je nach Bedarf - Geschäftsführer, Kommunikationsleiter und Kundenbetreuer in Personalunion. Das Konzept: Full-Service aus einer Hand.

70 bis 80 Prozent der deutschen Unternehmen sind solche Ein-Mann-Betriebe. Doch die schlanken Strukturen bergen auch Risiken. Fällt der Chef für eine Weile aus, lässt sich die Krise nur meistern, wenn ein qualifizierter Vertreter die Geschäfte weiter führen kann. Dennoch haben nur etwa zehn Prozent der Unternehmer für diesen Fall vorgesorgt.

"Allein die Wirrungen nach dem Tsunami in Asien haben viele Firmen ihre Existenz gekostet, weil deren Inhaber in Thailand verschollen waren und sich nicht um das Geschäft zu Hause kümmern konnten", sagt Thomas Wachter, Notar aus Osterhofen. Auch ein Schlaganfall, ein Herzinfarkt oder ein schwerer Unfall lassen Unternehmer oft für einige Monate unfreiwillig ausfallen.

Ein florierender Betrieb wird dann schnell zum Insolvenzfall. Denn anders als weithin angenommen, verbietet das Gesetz, dass die Ehefrau oder der volljährige Sohn automatisch das Vakuum in der Geschäftsleitung füllen: Ohne entsprechende Vollmacht müssen selbst engste Familienangehörige den Betrieb erst einmal brach liegen lassen. Stattdessen bestellt das Vormundschaftsgericht während der Abwesenheit des Unternehmenschefs einen Betreuer oder einen Abwesenheitspfleger. Dieser erhält zwar Einblick in alle Bücher - viel ausrichten kann er aber trotzdem nicht. Nina Lenz, Fachanwältin für Erbrecht bei der Schwetzinger Kanzlei Zipper & Coll. sagt: "Sogar wenn es dringend geboten ist, zur Rettung des Unternehmens Betriebsvermögen zu veräußern oder zu belasten, muss sich ein Betreuer alle Transaktionen vom Vormundschaftsgericht genehmigen lassen. Dieses Verfahren zieht sich meist über viele Wochen. Für existenzsichernde Maßnahmen ist es dann oft zu spät."

Dabei hat es jeder Unternehmer in der Hand, solche Szenarien ohne große Kosten zu vermeiden. Für maximal 500 Euro kann er eine umfassende, notariell beurkundete Vorsorgevollmacht erstellen. Diese ähnelt einer Generalvollmacht, nur, dass sie erst gebraucht wird, wenn der Vollmachtgeber nicht mehr persönlich handeln kann. Von Formulierungen, wonach die Vorsorgevollmacht nur im Fall der Betreuungsbedürftigkeit gilt, raten Experten dennoch ab. "Gerade Banken verlangen vom Bevollmächtigten regelmäßig einen Nachweis, dass die Betreuungsbedürftigkeit des Vollmachtgebers auch tatsächlich eingetreten ist. Um nicht in Beweisnot zu geraten und eilige Geschäfte abschließen zu können, sollte die Vollmacht daher ohne Bedingung erteilt werden", warnt Notar Wachter. In dieser Gestaltung ist der Bevollmächtigte sofort gegenüber allen Geschäftspartnern zur umfassenden Vertretung befugt.

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