Ein neuer Dienstleistungszweig etabliert sich: Controlling als Angebot externer Berater
Controller von draußen mit am Tisch

Wirtschaftlich schwache Zeiten sind gute Zeiten für Controller. Nicht nur in den Führungsgremien großer Unternehmen gewinnt das Ressort seit einigen Jahren spürbar an Gewicht. Auch kleinere Unternehmen interessieren sich zunehmend für die strategische Auswertung ihrer Kennzahlen.

Der Internationale Controller Verein (ICV), Dachorganisation von rund 4 000 Controllern aus deutschsprachigen Ländern, hat allein seit 1999 rund 1 000 neue Mitglieder gewonnen. Und neben den Planungs- und Steuerungsverantwortlichen aus Unternehmen sammeln sich immer mehr externe Controlling-Berater in der Berufsorganisation.

Joachim Klesse, Geschäftsführer der Düsseldorfer Unternehmensberatung Klesse & Company, bestätigt den Aufwind für die Dienstleister. „Seit drei, vier Jahren boomt Controlling im Beratermarkt“, erzählt Klesse, der bereits seit 1992 Steuerungssysteme in Konzernen und bei großen Mittelständlern einführt. „Der Markt ist stark IT-getrieben“, so Klesse. Es gebe eine große Vielfalt von Software-Tools zur Auswertung aller möglichen Unternehmensdaten – und ein breites Feld von Spezialisten, die sie in den Firmen ans Laufen bringen.

Klesse arbeitet vor allem für große Unternehmen, die ein eigenes Berichtswesen haben und nun zum Beispiel durch eine neue Software eine einheitliche Infrastruktur schaffen wollen. Die Kosten solcher Großprojekte erreichen inklusive Beratung und Lizenzen leicht sechsstellige Summen.

Weit günstiger sind die Dienstleistungen, die kleineren Firmen die Steuerung erleichtern sollen. Wer nur die betriebswirtschaftliche Auswertung grafisch aufbereitet haben möchte, findet schon Angebote für 125 Euro pro Monat. Ist dagegen ein umfassenderes Controlling gefragt, bei dem Berater erklären, welche Unternehmensdaten sich sinnvoll erfassen lassen und welche Schlüsse daraus zu ziehen sind, kommen schnell 1 000 Euro monatlich zusammen. Unterm Strich gilt: „Ab einer Unternehmensgröße von sieben bis zehn Mitarbeitern lässt sich die Qualität der Unternehmenssteuerung durch Einsatz von professionellen Instrumenten deutlich verbessern“, so Controlling-Professor Wolfgang Berens von der Universität Münster. Er hat im vergangenen Sommer in einer Studie 3 500 Mittelständler danach befragt, welche Daten und Informationen sie im Unternehmen sammeln und für die Geschäftsstrategie auswerten. Ergebnis: Kostenträger- oder Planungsrechnungen sind kaum vorhanden, die meisten Mittelständler nutzen nur vergangenheitsbezogene Kennzahlen zur Analyse.

Vor allem die neuen Richtlinien zur Kreditvergabe nach Basel II dürften effektivere Systeme auch bei kleineren Firmen fördern: „Neben dem Ausbau des bestehenden operativen Controllings wird Druck entstehen, eine verstärkte Strategie- und Risikoorientierung zu entwickeln“, ist Berens überzeugt. Erste Ansprechpartner seien dazu häufig die Steuerberater und Bankbetreuer, zu denen Mittelständler in der Regel eine hohe Vertrauensbasis aufgebaut hätten. „Beide Berufsgruppen werden häufig auch zu controllingnahen Themen hinzugezogen“, so Berens. Gleichwohl attestiert er beiden nur eine „eingeschränkte Qualifikation, um als Controlling-Berater agieren zu können“. So ist etwa die Einführung einer Kostenrechnung oft zunächst mit Veränderungen in der Arbeitsorganisation verbunden, um die Datenerfassung zu verbessern. Solche internen Strukturen in Unternehmen zu analysieren und anzupassen, übersteigt die klassischen Kompetenzen der Steuer- und Finanzierungsexperten.

Genau davon wollen Dienstleister profitieren, die sich auf das Kleinkundengeschäft konzentrieren. Die Mannheimer Intevo GmbH, seit drei Jahren als Controlling-Dienstleister speziell für Mittelständler tätig, beobachtet derzeit nicht nur besonders viele neue Wettbewerber, sondern auch deutlich steigende Nachfrage gerade bei Dienstleistungsunternehmen. „Bei Werbeagenturen, Arztpraxen oder auch in der Medizintechnik ist das Bewusstsein für unsere Arbeit deutlich gestiegen“, schildert Intevo-Gründer und Geschäftsführer Thorsten Braun. „In dem Moment, in dem eine zweite Führungsebene eingezogen wird, steigt die Anforderung an Führungsinstrumente stark“, hat Braun beobachtet. In diesen Fällen wollen Dienstleister wie Intevo ihre Angebote platzieren: Weil sie mehr und schneller Planungsdaten liefern als etwa die Kennzahlen-Statistik, die der Steuerberater erstellt, zugleich aber weniger kosten als ein eigener Controlling-Mitarbeiter. „Dort sehen wir als Qualitätsanbieter unsere Chance“, meint Braun.

Auch Wolfgang Berens von der Uni Münster hält den externen Controlling-Markt noch für unterentwickelt. Zugleich warnt er aber vor zu großem Optimismus: „Unsere Untersuchung belegt, dass der Rat insbesondere von Unternehmensberatern sehr selten in Anspruch genommen wird.“ Trotz objektiv belegbarer Vorteile seien Mittelständler allzu oft nicht bereit, marktgerechte Preise für solche Dienstleistungen zu zahlen. „Der Bewusstseinswandel wird sich langsamer vollziehen als von vielen erwartet.“

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