Ein neues Ranking des Wall Street Journal sorgt für Furore
MBA-Ranking: Die Topliga steht Kopf

MBA-Rankings bedeuten den Business Schools extrem viel: Reputation, Zulauf, Geld. Die neue Rangliste des Wall Street Journal bringt alle durcheinander – vor allem die Platzhirsche.

DÜSSELDORF. Es ist so etwas wie ein Erdbeben: Vorhergesagt, gefürchtet, markerschütternd. Als das Wall Street Journal (WSJ), die auflagenstärkste Wirtschaftszeitung der USA, vor einiger Zeit ankündigte, eine eigene Rangliste der Business Schools der Welt herauszubringen, ging ein Zittern durch die kleine Welt der führenden MBA-Anbieter, in der jeder jeden beobachtet. Das Ranking, das das Handelsblatt exklusiv für Deutschland veröffentlicht, hat zumindest diese Erwartungen nicht enttäuscht: Es ist ein Erdbeben. Rankings der besten Schulen sind für Business Schools von extrem hoher Bedeutung. Aus Umfragen ist bekannt, dass für die Wahl einer Business School in Amerika das Abschneiden in einem der einflussreichen Rankings fast das wichtigste Kriterium ist. Der Einfluss von Rankings ist also enorm.

Das hat auch finanzielle Folgen für die Schulen: Eine gut bewertete Business School kann für ihre MBA-Programme höhere Studiengebühren verlangen und aus einem größeren Bewerberpool schöpfen. Und nicht nur das: Die MBA-Programme, mit denen die meisten Schulen trotz Studiengebühren von 50 000 Mark und mehr keinen Gewinn machen, sind Aushängeschild und Qualitätsausweis für die wirklichen Geldbringer, die Executive Education-Programme: mehrtägige bis mehrwöchige Fortbildungen für Manager, für die leicht 10 000 Mark pro Woche zu bezahlen sind.

Neues Ranking erschüttert "Ordnung" nachhaltig

Dass eine Schule nicht in allen Rankings gleich abschneidet, ist normal. Auch Abstürze oder kometenhafte Aufstiege kommen vor. Dennoch hat sich in den bislang führenden Rankings von Business Week und Financial Times (FT) eine Topliga herauskristallisiert, die nahezu identisch ist: Wharton, Harvard, Stanford, Chicago, Columbia, Sloan/MIT – in unterschiedlicher Reihenfolge finden sie sich immer auf den vordersten Plätzen.

Diese „Ordnung“ hat das Wall Street Journal nun nachhaltig erschüttert. Die Wharton School der University of Pennsylvania in Philadelphia, die sowohl von Business Week als auch von der Financial Times als die beste Business School der Welt geführt wird, findet sich beim Wall Street Journal nur auf Platz 18 wieder.

Ähnliche Erdrutsche verzeichnen die Columbia Business School in New York – bei der FT auf Platz 5, beim WSJ auf Platz 34 –, die Stanford Graduate School of Business – bei der FT auf Platz 3, beim WSJ auf Platz 45. Ähnlich dramatsch ist das Abschneiden der führenden europäischen Schulen: Insead landet auf Platz 28, IMD auf Platz 33, die London Business School auf 39.

Aus den Niederungen der zweiten Liga ins Scheinwerferlicht

Eine Reihe von Schulen hingegen, die in anderen Rankings eher als Zweitligisten oder gar nicht erscheinen, tauchen beim Wall Street Journal plötzlich auf vorderen Rängen auf: die Cox School of Business der Southern Methodist University in Dallas etwa, die University of Maryland Smith School, das Fisher College of Business der Ohio State University oder die Eli Broad Graduate School of Management an der Michigan State University.

Allein mit dem Sieger werden sich viele anfreunden können: Die Amos Tuck School of Business at Dartmouth gilt auch in anderen Rankings als eine der zehn, fünfzehn besten in den USA.

Wie aber kann es zu solchen Verwerfungen kommen? Wie bei jedem Ranking, ist auch beim Wall Street Journal alles eine Frage von Definition und Gewichtung der Beurteilunskriterien. Genau genommen zeigt das WSJ-Ranking, wie die Autoren selbst sagen, „welche Schulen die besten Beziehungen zu Personalern unterhalten“.

Ranking basiert vor allem auf US-Anforderungen

Denn Grundlage des Rankings sind ausschließlich die 1 600 von dem Meinungsforschungsinstitut Harris befragten Personalverantwortlichen – vor allem US-amerikanischer Unternehmen. Dabei ist das WSJ-Ranking keineswegs holzschnittartig: Jede Schule wurde nach 27 Einzelkriterien bewertet. Aber letztlich gilt die einfache Regel: Wer einstellt, definiert, welche Kriterien ihm wichtig sind.

Zu den Kriterien, die den US-Unternehmen am wenigsten wichtig sind, gehört Internationalität. Die aber zählt bei der Entscheidung vieler Deutscher, einen MBA zu machen, sehr viel. Auch die wissenschaftliche Leistung einer Hochschule und die Qualifikation ihrer Dozenten haben für die US-Recruiter nur nachrangige Bedeutung.

Wie immer man zu einer solchen Definition von gut und schlecht steht, dieses Ranking wird zweifellos mehr als kurzzeitiges Aufsehen erregen. „Wir erwarten“, schreiben die Autoren des WSJ, „dass diese Studie viele der bewerteten MBA-Programme signifikant verändern wird.“ Das wird denn auch eine der interessanten Fragen in Zukunft sein: Werden sich die Schulen, wie auch bei anderen Ranglisten, den Kriterien dieses Rankings anpassen, um im nächsten Jahr auf einem besseren Platz zu liegen? Und bestimmt dann allein der US-Arbeitsmarkt, was eine gute und weniger gute Schule ist?

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