Eine Kultur des Respekts
„Lob ist eine Bringschuld“

Lob ist eine Bringschuld, schreibt der Unternehmer Claus Hipp in seinem Buch. Wer sich immer nur stur an die Parole „Der Chef hat immer Recht“ hält, ist schlecht beraten. Ein Auszug über den Umgang mit Mitarbeitern.
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Pfaffenhofen an der IlmMinister werden von ihren Regierungschefs abgekanzelt, Manager öffentlich ausgebuht. Unternehmen tragen ihre Konflikte in Nachrichtenmagazinen aus, Ehen werden auf Privatsendern ebenso beendet wie hoffnungsvolle Talente vorgeführt. Prominente aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft pflegen immer öfter ein Gebaren, bei dem weder Ton noch Inhalt einem respektvollen Miteinander angemessen sind. Dabei ist ein guter Umgang miteinander nicht nur Ausdruck, sondern vor allem auch Voraussetzung einer guten Gesellschaft, findet Claus Hipp, der am Dienstag 75 Jahre alt geworden ist. Er ist einer der erfolgreichsten Unternehmer Deutschlands und veranschaulicht in seinem Buch „Achtung Anstand - Vom Wert eines respektvollen Miteinanders“, warum wir Werten wie Respekt und Anstand wieder mehr Bedeutung schenken sollten. Der Text ist ein Auszug aus dem vierten Kapitel „Einer für alle, alle für einen - Über den richtigen und den Falschen Ton in Unternehmertum und Management“, das im Oktober 2013 im Verlag Gräfe und Unzer erschienen ist.

Zu Recht erwarten die Menschen gutes Geld für gute Arbeit. Wesentlicher als ein angemessener Lohn ist aber, dass Mitarbeiter wertgeschätzt und ihre Leistungen anerkannt werden. Insofern sollte der Begriff Mitarbeiter ruhig wörtlich genommen werden: Er ist Mit-Arbeiter, der gemeinsam mit anderen Kollegen und Spitzenkräften seinen Teil zum Erfolg eines Unternehmens beiträgt.

Nach meinem Dafürhalten haben wir es hier mit einem partnerschaftlichen Miteinander zu tun. In diesem Kontext habe ich mich in meinem Unternehmen beispielsweise dafür stark gemacht, dass Führungskräfte beim Besuch in der Werkshalle – der ihnen keine lästige Pflicht, sondern liebe Gewohnheit sein sollte – selber mit anpacken. Heutzutage ist das leider eine Seltenheit geworden.

Vielleicht, weil die Spitzen in den Führungsetagen es entweder nie gelernt oder wieder verlernt haben, Hand anzulegen. Doch wer die Arbeit aus eigener Erfahrung kennt, die andere verrichten, weiß erst richtig einzuschätzen, was sie leisten. Und wer die Leistung anerkennt, die andere zum Erfolg beitragen, der gewinnt eine durch nichts zu ersetzende Verbindung zu seinen Mitarbeitern.

Technischer Fortschritt, allem voran das Internet, moderne Unternehmens- und Kommunikationsorganisation und die internationale Arbeitsteilung in der globalisierten Welt sorgen dafür, dass die Anzahl derer beständig wächst, die die Arbeit organisieren. Noch dazu haben alle immer weniger direkt miteinander zu tun. An die Stelle des persönlichen Gesprächs sind E-Mail-Verkehr, Telefon- und Videokonferenzen, Skype und die Plattformen sozialer Netzwerke getreten. Die Folge: Wer hauptsächlich telefoniert, SMS oder E-Mails verfasst, wer nur mit wichtigen Geschäftspapieren und Power-Point-Präsentationen beschäftigt ist oder wer seine Arbeitszeit überwiegend in exklusiven Konferenzräumen oder in der Businesslounge verbringt, der verliert nicht nur den Kontakt zur Basis, er gewinnt zwangsläufig ein schiefes Bild von den Zusammenhängen der Leistungsgesellschaft.

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