Management
Eine Schlappe fürs Familienoberhaupt

Das Bundeskartellamt zwingt Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub zu einer schwierigen Entscheidung.
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BONN. Für den stets gut gelaunten Karl-Erivan Haub bot das Bonner Kartellamt gestern wenig Anlass zur Freude. Gleich mit zwei Hiobsbotschaften plagten die Wettbewerbshüter den 48-jährigen Clanchef, der seit acht Jahren das Familienimperium Tengelmann führt. Die unbedeutendere von ihnen: Seine 2800 Plus-Läden wird Haub nicht auf einen Streich los. Nur etwas mehr als 2400 davon darf die Edeka übernehmen, für den Rest muss sich Haub nun einen anderen Käufer suchen. Doch das Interesse, so signalisiert es jetzt schon Rewe-Chef Alain Caparros, scheint nicht schlecht.

Was dem Tengelmann-Chef weitaus mehr Kopfzerbrechen bereiten dürfte: Anders als geplant findet er für seine renditeschwachen Kaiser?s- und Tengelmann-Supermärkte keinen Kooperationspartner. Nun droht der Verkauf.

Tengelmann ohne Tengelmann? Angesichts eines schleppenden Geschäftsgangs musste Konzernerbe Haub schon einmal mit ehernen Traditionen brechen. Vor wenigen Jahren verkaufte er die Schokoladenfirma Wissoll, die eigentliche Keimzelle des Mülheimer Familienimperiums.

So geht es mit den Erfolgen des gelernten Lebensmittelkaufmanns und studierten Wirtschaftswissenschaftlers weiterhin munter auf und ab. 1990 war "Charly", wie ihn Untergebene nennen, nach Managementjobs für den Konsumgüterkonzern Nestlé in den USA und McKinsey in Düsseldorf ins elterliche Unternehmen gekommen. Der gebürtige Amerikaner, der die Stars-and-Stripes stets als Anstecknadel im Anzugknopfloch trägt, fand bei seinem Start in Mülheim allerdings wenige Freunde. Top-Manager gingen im Streit, und auch mit dem eigenen Vater verkrachte sich Karl-Erivan, nachdem er das Europa-Geschäft übernommen hatte.

Doch die schwere Unternehmenskrise Ende der 90er-Jahre ließ den Senior, der im vergangenen September seinen 75. Geburtstag feierte, schließlich abdanken. Nur mit Mühe und harten Einschnitten gelang es damals dem Sanierer Peter Zühlsdorff, den Handelskonzern mit seinen Vertriebsschienen Kaiser?s, Tengelmann, Plus, Kik und Obi wieder in Schwung zu bringen.

Am Ende übernahm Karl-Erivan Haub Mitte 2002 die Gesamtführung des Unternehmens. Auch seine Brüder arbeiten mittlerweile alle im Unternehmen. Seit Jahren schon bemüht sich Christian Haub in New Jersey als Chief Executive Officer (CEO), die angeschlagene US-Hypermarktkette A&P zu sanieren, an der sich Vater Erivan 1979 beteiligt hatte. Und auch Georg Haub, der früher lieber Antiquitäten restaurierte, als die Geschicke des Handelskonzerns zu steuern, steht inzwischen in Diensten von Tengelmann. Er ist verantwortlich für das Immobiliengeschäft der Familie.

Doch erst im März 2008 machte der Senior den Übergang zur fünften Generation in Mülheim perfekt. In dem wenig transparenten Konzern stockten die Brüder Karl-Erivan, Georg, 46, und Christian, 43, ihre Beteiligung von je 16,66 auf je 31,33 Prozent auf. Im Gegenzug reduzierte Vater Erivan Haub seine Beteiligung von 50 auf sechs Prozent.

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