Einer langen RTL-Karriere folgte eine kurze
Porträt: Marc Conrad

Marc Conrad arbeitete schon als junger Mann für den Fernsehsender RTL, den Helmut Thoma damals noch von Luxemburg aus aufbaute.

HB HAMBURG. Der gebürtige Luxemburger stieg im Windschatten seines Förderers Thoma in den 80er Jahren zunächst innerhalb der Nachrichtenredaktion zum Chef vom Dienst auf und wurde später Thomas persönlicher Referent. Verantwortung für die Programmplanung erhielt er 1990, als er Prokurist wurde und die Zuständigkeit für die Film- und Serienproduktion bekam.

Im Sender erwarb sich Conrad den Ruf, kompromisslos auf erfolgreiche TV-Formate - ob aus den USA importiert oder selbst produziert - zu setzen und quotenschwache Sendungen umgehend abzusetzen. Er gilt als Entdecker von Linda de Mol und sorgte ab 1992 als Programmdirektor für eine durchgängige Programmstruktur jedes Wochentages mit Schwerpunkten wie Talkshows und eigenproduzierte Serien. Zu den weniger glücklichen Entscheidungen gehörte die Verpflichtung der bei Sat1 erfolgreichen Talkerin Margarethe Schreinemakers, die bei RTL nicht die erhoffte Quote brachte.

Im Rahmen eines Wechsels an der RTL-Spitze von Thoma zu Gerhard Zeiler schied Conrad aus dem Sender aus und machte sich mit der Produktionsfirma Typhoon Networks selbstständig. Er produzierte sowohl Kinofilme wie „Das Experiment“ mit Moritz Bleibtreu, der im Januar beim RTL-Konkurrenten Pro Sieben ausgestrahlt wurde, als auch TV-Serien. Für RTL entwickelte er die realistische Polizeiserie „Abschnitt 40“, für die er 2003 in Monaco als „Bester TV-Produzent Europas“ ausgezeichnet wurde.

Als sich Zeiler, der zusätzlich die Leitung der RTL-Gruppe in Luxemburg übernommen hatte, von seinem Spitzenjob in Deutschland zurückziehen wollte, erschien die Nominierung Conrads naheliegend. Doch schon dreieinhalb Monate nach Übernahme der Geschäftsführung ist seine zweite RTL-Karriere zu Ende. Conrad ist seit 1989 verheiratet und hat mit seiner Frau Bernadette drei Kinder.

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