Einkäufer
Wenn Geiz zum Bumerang wird

Die Zeiten, in denen ein Einkäufer nur Kosten managte, ist endgültig vorbei. Die immer größere Arbeitsteilung in den Unternehmen führt dazu, dass die Beschaffungsmanager zunehmend Entscheidungen von strategischer Bedeutung treffen. Heute haben Einkäufer mehr Verantwortung – aber selten mehr Kompetenzen.

DÜSSELDORF. So schön bunt waren die Spielzeugautos von Fisher Price – und so giftig. Chinesische Zulieferer der Mutterfirma Mattel hatten die Lackierarbeiten an Fremdfirmen weitervergeben und diese bemalten die Autos mit bleihaltiger Farbe. Mattel musste 2,2 Millionen giftige Spielzeuge zurückrufen – und das gelackte Image der Mutter von Barbie und Ken bekam gehörige Kratzer.

Für Holger Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Materialwirtschaft Einkauf und Logistik (BME), ist das Beispiel symptomatisch: „Wer beim Einkauf seine Hausaufgaben nicht macht, gerät in massive Schwierigkeiten.“ Der Tunnelblick auf den billigsten Lieferanten kann zu großen Qualitätsproblemen führen. Die Einstellung „Geiz ist geil“ ist immer noch sehr populär, beklagt Sven Linden, Berater bei Brainnet. Der Kostendruck, unter dem so mancher Einkäufer steht, ist enorm. Viele Manager blenden einfach aus, welche Schadensersatz- und Rückrufkosten auf das Unternehmen zurollen können, wenn der Einkauf nur auf den Preis achten soll. „Letztlich aber haben auch die Vorstände ein Problem - denn schlussendlich haften sie, wenn ihrem Unternehmen Schaden entsteht“, warnt Linden.

Die Rolle und damit auch die Verantwortung des Beschaffungsmanagers hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend geändert. „Die Zeiten, in der ein Einkäufer nur Kosten managte, ist endgültig vorbei“, betont Günther Reinelt, Einkaufsleiter bei Miele in Gütersloh. Die Arbeitszeit, die Einkäufer mit bloßem Verhandeln und Feilschen um Rabatte verbringen, sinkt deshalb rapide. Die Unternehmensberatung Bearing Point schätzt, dass Einkäufer in Zukunft rund die Hälfte ihrer Arbeitszeit strategischen und taktischen Tätigkeiten widmen. Der Grund: Globale Wertschöpfungsnetzwerke, der intensive internationale Wettbewerb, knapper werdende Ressourcen und strengere gesetzliche Auflagen stellen die Einkaufsabteilungen vor komplexe Herausforderungen. „Unternehmen müssen all diese Faktoren bei ihrem Einkaufsmanagement berücksichtigen“, sagt Jules Goffre, Leiter des Kompetenzteams Strategisches Beschaffungsmanagement in Zentraleuropa bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney.

Drei von vier Großunternehmen behandeln die Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen inzwischen als strategische Funktion. Das ergab eine Befragung der Leiter der Einkaufsabteilungen von mehr als 60 international führenden Firmen wie Bertelsmann, Colgate Palmolive, Credit Suisse und IBM durch die Unternehmensberatung Brainnet. Noch vor fünf Jahren maß nur jedes dritte Unternehmen dem Einkauf diese Bedeutung bei.

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