Einmal Milliardär und zurück
Gerhard Schmids Achterbahnkarriere

Vor drei Jahren gehörte Gerhard Schmid zu den 100 reichsten Deutschen und konnte ein Milliardenvermögen sein Eigen nennen. Der Absturz vom Gipfel ging noch schneller als der märchenhafte Aufstieg des robusten Franken, der einst die Telekom herausforderte und zur Weißglut trieb.

HB/dpa HAMBURG. Heute ist Schmid pleite, das Insolvenzverfahren über sein privates Vermögen läuft, seine Aktien der Mobilcom AG sind verpfändet und werden von einem Treuhänder verwaltet und er muss sich wegen Untreue vor Gericht verantworten. Wenn das Verfahren schlecht läuft für Schmid, droht ihm wegen dubioser Aktiengeschäfte mit der Firma seiner Ehefrau eine Gefängnisstrafe.

Den Keim für den Niedergang legte Schmid im Sommer 2000, als seine Mobilfunkfirma Mobilcom mit der Unterstützung ihres Partners France Télécom für mehr als acht Mrd. € eine Lizenz für den neuen Mobilfunkstandard UMTS ersteigerte. Diesen dicken Brocken hätte Schmid allein nicht schultern können; deshalb hatte er die Franzosen auf dem Höhepunkt des New-Economy-Booms mit ins Boot geholt. Die Aktie strebte Richtung 200 €, die Wachstumsperspektiven schienen grenzenlos und France Télécom unterschrieb, was Schmid ihr vorlegte. Das sollte den französischen Staatskonzern teuer zu stehen kommen.

Anfang 2002 verlor France Télécom die Lust am Bezahlen. Zu verwegen schienen Schmids Expansionspläne, zu unrealistisch die Erwartungen. „Mit UMTS werden wir uns eine goldene Nase verdienen“, versprach er vollmundig, und er hatte es immerhin schon einmal vorgemacht. Als Pionier auf dem liberalisierten Telefonmarkt hatte Schmid Mill. Kunden gewonnen. Die Mobilcom-Aktie war im März 1997 der erste Wert des Neuen Marktes und brachte ihren Erstzeichnern gigantische Gewinne. Doch die Geschichte wiederholte sich mit UMTS nicht; der Standard ist bis heute nicht am Markt und möglicherweise technisch schon wieder überholt.

Als sich der Konflikt mit France Télécom anbahnte, dachte der ehemalige Eishockeyspieler nicht an eine defensive Taktik. Er vertraute auf die Verträge mit France Télécom. Binnen kurzer Zeit war das Verhältnis zerrüttet, die Partner überschütteten sich mit Vorwürfen und auch den France-Télécom-Chef Michel Bon kostete das UMTS-Abenteuer letztlich den Job. Doch am Ende eines fintenreichen Prozesses, in dem die Mobilcom AG mehrfach kurz vor der Insolvenz stand, war Schmid sein Vermögen los. „Eine kalte Enteignung“ nannte der 51-jährige Maurersohn das. Richtig bluten musste France Télécom, die wegen der von Schmid ausgehandelten Verträge mehr als sieben Mrd. € bei dem Mobilcom-Engagement versenkte.

Die Aktionäre, von denen einige zumindest vorübergehend wohlhabend waren, wandten sich von Schmid ab. „Sie sind hier nicht mehr erwünscht“, blaffte ihm ein Kleinaktionär bei der Hauptversammlung im Mai entgegen. Die Aktie hat sich zwar zuletzt gut entwickelt, ist aber immer noch Lichtjahre von ihren Höchstständen entfernt. Die Firma ist gerettet, doch zu einem wenig spektakulären Vertriebsunternehmen für Mobilfunkverträge anderer Netzanbieter geworden. 2000 Arbeitsplätze sind verloren gegangen. Die Aktionäre sind nicht mehr wohlhabend. Gerhard Schmid auch nicht.

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