Einsame Spitze
Allein gegen den Rest der Welt

Mit Standfestigkeit und einem Gespür für das Geschäft wurde die Wissenschaftlerin Kiran Mazumdar-Shaw zum Vorbild für viele Unternehmerinnen. Heute lebt ihr Unternehmen Biocon von billigen Nachahmer-Medikamenten und der Produktion von Insulin. Doch Indiens Biotech-Königin hat große Pläne. Frauen als Wirtschaftslenkerinnen - eine Handelsblatt-Reportage.

BANGALORE. Wenn Kiran Mazumdar-Shaw spricht, dröhnt ihre Stimme wie aus einem bassverstärkten Lautsprecher. Mit der Kraft eines Monsunschauers prasseln ihre Worte auf Gäste herab, und ihre Hände unterstreichen das Gesagte mit trockenen Hammerschlägen auf die Tischplatte. Kein Zweifel: Diese Frau kann sich durchsetzen.

Indiens reichste Frau hat herbe berufliche Niederlagen verkraftet. Sie hat sich in einer erzpatriarchalischen Gesellschaft bis ganz nach oben durchgekämpft. Die Tochter eines Braumeisters hat ein Unternehmen in der Garage gegründet. Heute ist Biocon der größte Biotech-Konzern des Landes.

Ihre Standfestigkeit und ihr Spürsinn fürs Geschäft machen die Multimillionärin Mazumdar-Shaw zum Vorbild für eine wachsende Schar erfolgreicher Unternehmerinnen in der von Männern dominierten Riesen-Nation. Das britische Wirtschaftsmagazin "Economist" kürt sie zu "Indiens Biotech-Königin".

Noch lebt ihr Unternehmen hauptsächlich von billigen Nachahmer-Medikamenten, den Generika, und von der Insulin-Produktion. Aber die Biocon -Gründerin will mehr: "Bald werden wir den meisten Umsatz mit selbst entwickelten Bio-Pharmazeutika machen", verkündet sie. Außerdem will sie ihre Firma "zum größten Insulinhersteller der Welt machen und es in die globale Top-Ten der Biotech-Branche schaffen".

Sie setzt vor allem auf ein neuartiges Insulin, dass sich Zuckerkranke nicht mehr spritzen müssen, sondern wie eine Tablette schlucken können. "Das wird ein Blockbuster, der uns in eine andere Liga katapultiert", gibt sich Mazumdar-Shaw selbstbewusst, trotz des hohen Entwicklungsrisikos.

Aber Risiken und Rückschläge haben diese Frau noch nie daran gehindert, ihren Weg zu gehen. "Als ich nach dem Studium nach Indien zurückkam, schaffte ich es nicht einmal bis in ein Vorstellungsgespräch", blickt sie zurück. In Melbourne hatte sie sich zu Indiens erster Braumeisterin ausbilden lassen. Ihr Vater, selbst vom Fach, ermutigt seine rebellische Tochter zum Vorstoß in diese Männerdomäne. Doch zurück in der Heimat zerbricht ihr Jugendtraum: Niemand will eine Braumeisterin.

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