Einsame Spitze: Galia Maor, Bank Leumi
Sanfte Alleinherrscherin

Galia Maor steuert die israelische Bank Leumi durch die Finanzkrise. Die leutselige Managerin, die schon mal eine ganze Abendgesellschaft mitreißen kann, kommt sich in der israelischen Machowelt mitunter fremd vor. Ein Portrait.

TEL AVIV. Sie entspricht so gar nicht dem Klischee eines kühlen Spitzenbankers. Galia Maor kann schon mal eine Abendgesellschaft mitreißen oder eine Tafelrunde zum Tanz auffordern. Sie singt auch ohne Scheu laut mit, wenn ihr eine Musik gefällt.

Aber so leutselig die aparte 65-Jährige auch in Gesellschaft sein kann – man sollte sie keinesfalls unterschätzen.

Galia Maor ist die einflussreichste Frau Israels, seit Golda Meir das Land regierte. Maor gibt als Präsidentin und Chief Executive Officer (CEO) bei der Bankengruppe Leumi den Ton an, die Ende vergangenen Jahres den Konkurrenten, die Bank Hapoalim, vom ersten Platz in Israel verdrängt hat. Die israelische Wirtschaftszeitung „The Marker“ spricht von einer „historischen Trendwende“. Außerdem treibt Galia Maor die Expansion im Ausland voran. Sie mischt bereits in Großbritannien, der Schweiz, Luxemburg und Lateinamerika mit und bereitet nun den Einstieg in Indien vor.

Die Bankchefin, die so viel erreicht hat, kommt sich in der israelischen Machowelt mitunter fremd vor: „Es ist immer merkwürdig, als Frau von einem Meer von Männern umgeben zu sein“, gab sie einmal zu Protokoll, „aber ich kann ehrlich sagen, dass ich jede Gelegenheit genossen habe. In meiner ganzen Karriere bin ich nie auf männliche Feindschaft gestoßen.“

Eine Karriere, in der sie nichts dem Zufall überlässt und „ihre Ziele eisern verfolgt“, wie der Ex-Chairman der Bank, Mosche Sanbar, sagt, der sie im Jahr 1991 zur Bank holt, wo sie 1995 zur Chefin aufsteigt.

Eisern hält sie auch an ihrer Strategie fest, nicht schnelles Geld mit risikoreichen Geschäften zu verdienen – anders als der Konkurrent, die Hapoalim-Bank. Ihre Vorsicht zahlt sich jetzt in der Krise an den Finanzmärkten aus. „Deshalb hat Leumi in den vergangenen Monaten weniger Geld verloren als Hapoalim“, sagt Yuval Ben-Zeev, Chefanalyst der Brokerfirma Clal Finance in Tel Aviv. Außerdem „legte sie stets Wert auf eine hohe Kapitalausstattung und verhielt sich dabei konservativer als die Hapoalim-Bank“, meint Ben-Zeev.

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