Einsame Spitze: Gulschan Moldaschanowa
Lust auf den Irrsinn im Job

Von der Sekretärin zur mächtigsten Frau Russlands: Gulschan Moldaschanowa hat eine steile Karriere hinter sich. Nun kümmert sie sich um die Geschäft des reichsten Mannes Russlands. Doch von Frauenförderung in der russischen Macho-Wirtschaft hält sie nichts.

MOSKAU. Im Luxushotel Rodina hat sich eine hochkarätige Runde eingefunden. Um den ovalen Tisch in dem abgedunkelten und edlen Raum haben Russlands reichster Mann, Oleg Deripaska, Strabag-Chef Peter Haselsteiner und Mitglieder des Managements von Basic Element Platz genommen – Deripaskas Holding. Doch es geht erst los, als eine zierliche Dame mit asiatischem Äußeren den Gastgeber Deripaska dezent zum Willkommens-Toast auffordert.

Gulschan Moldaschanowa, 41 Jahre alt, ist die Top-Managerin des Multimilliardärs, Chefin von Basic Element und Herrin über rund 300 000 Angestellte, die für eines der größten Industriekonglomerate Russlands arbeiten. Bei Tisch im russischen Badeort Sotschi sitzt sie ihrem Boss gegenüber, der nach dem mit leisem Lächeln geäußerten Hinweis aus dem Stuhl schnellt und ein paar Worte verliert.

Er sei kein großer Unterhalter, sagt sie später. Ob sie nicht nur bei Tisch, sondern auch im Geschäft den Ton angibt? Keine Spur. Oleg Deripaska sei nun einmal niemand, der sich auf eine Insel setze und andere arbeiten lasse. Der Eigentümer und Aufsichtsratschef nehme regen Anteil am Geschehen und entscheide auch in Details mit, sagt sie.

Im Jahr 1995 trifft sie zum ersten Mal auf ihn – als Sekretärin in seiner Vertriebsfirma Rosaluminiumprodukt. Moldaschanowa, in Kasachstan geboren, hat ihre Karriere als Physikerin in Moskau aufgegeben. Denn damals schließen viele Institute, und die Gehälter sinken auf ein symbolisches Niveau, wenn sie überhaupt noch gezahlt werden.

Sie lebt von der Unterstützung ihres Mannes. Der Job sei für sie auch eine Entscheidung gewesen, „für mich selbst Verantwortung zu übernehmen“, sagt sie heute. Deripaska, ein Absolvent des gleichen Moskauer Instituts, habe sie aber nicht „entdeckt. Ich hatte einfach die Chance, nah an den Topleuten zu sein.“ Es ist vor allem die damalige Finanzchefin, die schnell bemerkt, dass die junge Sekretärin mehr kann, als das Vorzimmer zu hüten. Sie schickt sie zu einem Training und holt sie in ihre Abteilung.

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