Einsame Spitze: Maria Ramos
Schlaflos in Johannesburg

Der südafrikanische Transportkonzern Transnet ist ein klobiger Gigant. Maria Ramos muss ihn wieder anscheiben. Dabei hilft der zierlichen Managerin ihre Souveränität und Ausdauer - und ihr geringes Schlafpensum. Ein Portrait.

JOHANNESBURG. Der Mann regt sich mächtig auf. Er hat Business-Class gebucht. Und nun ist sein Sitz wegen eines Computerfehlers an einen anderen Passagier vergeben. Als die Lage auf dem Flug der South African Airways (SAA) von Johannesburg nach Kapstadt eskaliert, erhebt sich eine Dame. Sie bietet dem verärgerten Fluggast ihren Platz an und weicht selbst auf einen Notsitz im Cockpit aus.

Die hilfsbereite Frau ist nicht irgendein Passagier. Maria Ramos ist die Chefin des südafrikanischen Transportkonzerns Transnet, zu dem damals auch die SAA gehört. „Der Passagier war zu Recht wütend“, sagt sie später. „Unsere Kunden verdienen eine gute Behandlung“ – und sie geht mit gutem Beispiel voran.

Maria Ramos muss den klobigen Transportriesen Transnet wieder in Fahrt bringen. Denn zumindest nach südafrikanischem Maßstab ist Transnet mit seinen über 70 000 Angestellten ein echter Gigant – und das Herzstück der Wirtschaft. Beinahe nichts bewegt sich am Kap ohne Beteiligung des Konzerns: Transnet betreibt fast alle Güter-, Passagier- und Nahverkehrszüge, transportiert Benzin, Gas und Kohle und kontrolliert Südafrikas Häfen.

Wegen seiner sperrigen Bürokratie befand sich Transnet lange Zeit in einem scheinbar unaufhaltsamen Niedergang: das Schienennetz zerfiel, die Umschlagzeiten in den verstopften Häfen stiegen, und die Schuldenlast explodierte. Dass die Vorstandschefs deshalb in Johannesburg fast im Jahrestakt wechselten, konnte die 49-jährige Maria Ramos aber nicht schrecken.

Im Gegenteil: Die von Freunden als Adrenalinjunkie beschriebene Portugiesin liebt echte Herausforderungen. „Ich bin immer ein Problemlöser gewesen“, sagt sie. „Das liegt mir mehr als die Führung eines gut geölten Unternehmens.“

Und so geht es dank Maria Ramos auch bei Transnet wieder aufwärts: Das Güteraufkommen auf der Schiene ist erstmals wieder gestiegen. Und der Hafen in Durban hat den Containerumschlag mehr als verdoppelt.

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