Einsame Spitze: Monika Ribar
Die Freiheit zu gehen

Monika Ribar trägt ein hohes Maß an Unabhängigkeit in sich. Vor acht Jahren reifte in der Chefin des Schweizer Logistik-Konzerns Panalpina die Erkenntnis, etwas bewegen zu wollen, sich nicht fremdbestimmen zu lassen. Wie sich Monika Ribar nach einem Skandal bei Panalpina durchsetzt. Frauen als Wirtschaftslenkerinnen. Eine Handelsblatt-Reportage.

BASEL. Der Tag in der Schweiz hat mit einer Überraschung begonnen. Der größte Industriekonzern des Landes, ABB, hat seinem erfolgreichen Chef Fred Kindle den Stuhl vor die Tür gestellt. Vermutlich hat er sich nicht mit seinem Präsidenten vertragen. Panalpina-Chefin Monika Ribar hat im gleichen Jahr wie Fred Kindle ihren Posten angetreten.

Sie zuckt mit den Schultern. „CEO zu sein ist keine Lebensaufgabe“, sagt sie und fügt einen Satz hinzu, der heute Kindle und künftig allen, die ihm folgen, runtergehen dürfte wie Honig: „Man muss sich die Unabhängigkeit bewahren zu gehen.“

Der Abgang als ein Ausdruck der Freiheit? Wer das sagt, muss ein hohes Maß von Unabhängigkeit in sich tragen. Mit 40 Jahren, da hatte sie sich etwas vorgenommen: „Ich wollte“, sagt Monika Ribar, „auf einen Berg gehen und nicht herunterkommen, bevor ich nicht darüber nachgedacht hatte, was ich mit meinem Leben machen soll.“

Es ist kein Berg geworden, sondern die Amalfi-Küste. Und Ribar ist auch nicht mit einem festen Plan zurückgekommen, sondern mit der Erkenntnis, dass sie etwas ändern will. Dass sie sich nicht steuern lassen will, sondern selbst etwas bewegen will. „Sonst kann ich ja auch zu Hause bleiben oder Golf spielen.“

Acht Jahre liegen der Entschluss und die Unabhängigkeitserklärung von Amalfi zurück, und Monika Ribar sitzt verbindlich plaudernd im oberen Stock eines unscheinbaren weißen Gebäudes schräg gegenüber vom Hauptbahnhof in Basel. Die Grenzstadt am Rhein hat eine Handvoll Unternehmen von Weltrang, eines davon ist Panalpina, ein Logistikkonzern mit 7,74 Milliarden Schweizer Franken Umsatz und über 14 000 Mitarbeitern. Und Ribar ist hier die unaufgeregte Chefin.

Sie gehört damit in der Schweiz, wo Banker im dunklen Anzug und Manager mit eigenem Helikopter die Szene dekorieren, zu einer seltenen Spezies. Klar, bei der Ems-Chemie gibt es noch Frau Blocher, die die Aufgabe von ihrem Vater übernommen hat, als der in die Politik wechselte. Und stimmt: Bis zum vergangenen Jahr gab es auch noch an der Spitze des Rückversicherers Converium eine Frau mit einigem Einfluss. Doch dann wurde Converium verkauft – und da waren es nur noch zwei.

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