Einsame Spitze: Neelie Kroes
Brüssels eiserne Lady

Das Handelsblatt stellt in dieser Serie Frauen vor, die es ins Topmanagement geschafft haben. Dieses Mal: EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes, die als "eiserne Lady" des Wettbewerbs bezeichnet wird und vor der selbst multinationale Unternehmen zittern.

BRÜSSEL. Eines mag sie gar nicht: wenn Journalisten nur über ihr Auftreten und ihre Kleidung schreiben statt über ihre Arbeit. "Das machen sie doch auch nicht, wenn sie über Männer schreiben", sagt Neelie Kroes.

Tatsächlich ist sie eine elegante Erscheinung - der dunkelrote Nagellack passt farblich perfekt zum Kostüm aus schwerer Wolle. Lippenstift und Wimperntusche wirken auch am späten Nachmittag noch wie frisch aufgetragen. Aber all das ist für Neelie Kroes nur Nebensache. Sie will mit ihrem Äußeren nicht für mehr Aufsehen sorgen als mit ihrer Arbeit.

Doch davor muss sie sich auch nicht fürchten. Denn seit sie im November 2004 als EU-Wettbewerbskommissarin angetreten ist, hat sie sich in Politik und Wirtschaft den Ruf einer unbarmherzigen, fleißigen Kämpferin gegen Kartelle in Europa erworben. Als "eiserne Lady" des Wettbewerbs bezeichnete sie etwa die CDU-Europaabgeordnete Angelika Niebler, und die Zeitschrift "Capital" kürte sie zur Macherin des Jahres 2008, weil "sie das Wirtschaftsleben prägen wird keine Zweite".

Selbst multinationale Unternehmen zittern mittlerweile vor ihr. Denn so teuer wie bei Neelie Kroes waren Wettbewerbs- und Kartellverstöße noch nie in Europa. Im vergangenen Jahr verhängte sie 3,3 Milliarden Euro Bußgelder, eine Rekordsumme - vier Jahre zuvor waren es nur 322 Millionen Euro.

Vor nichts scheint die 66-jährige Niederländerin haltzumachen. Thyssen-Krupp und drei andere Aufzughersteller mussten insgesamt 992 Millionen Euro zahlen wegen unerlaubter Preisabsprachen. Bei den großen Energiekonzernen Eon und RWE wurden Geschäftsräume durchsucht. Und kürzlich hat die Kommissarin eine Kartellprüfung bei einigen europäischen Medikamentenherstellern angekündigt.

Ihr "hartes Auftreten" habe auch mit ihrer Rolle als Frau zu tun, meint die SPD-Europaabgeordnete Erika Mann: "Sie will es auf jeden Fall richtig machen und gibt sich deshalb besonders hart."

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